Hier mal ein paar Restaurations-Tipps aus El Topos Trickkiste:
Nichts Weltbewegendes oder revolutionär Neues, aber schon durchaus nützlich. Paar Tricks sind wahrscheinlich schon bekannt, gehören vielleicht schon zum Allgemeinwissen, manche Sachen hab ich mir ausgesponnen, aber erfolgreich angewandt. Mir geht es hier darum, mal nen Überblick über Restaurationsmethoden zu geben, die man mit wenig Material realisieren kann, und von denen auch Einsteiger auf diesem Gebiet profitieren können.
1. Klinge entrosten:
- Schleifpapier und Öl:
Bei vielen alten Klingen, die schon massiv Rost angesetzt haben, kommt man mit Polierpaste allein oft nicht weiter. Da hilft entweder der Dremel oder Schleifpapier. Da ich keinen Dremel habe, ist also Handarbeit angesagt. Je nach Zustand kann man durchaus schon mit relativ groben Papier mit Körnung 100-200 beginnen. Es sei gesagt, das solche Körnungen die Klinge ziemlich zerkratzen, man muss dann natürlich mit feinerem Papier nacharbeiten. Ich würde erst zur nächst-feineren Körnung übergehen, wenn die Schleifriefen vom Vorgänger komplett entfern sind. Ganz so, wie beim Schärfen. Macht man das nicht ordentlich, bleiben beim abschließenden Polieren sichtbar Kratzer übrig.
Mein Tipp: Vorm Abschleifen etwas Brunox Kriechöl auf die Klinge. WD 40 o.Ä. geht sicherlich auch. Das Öl verhindert, dass sich das Schleifpapier, besonders mit sehr feiner Körnung, so schnell zusetzt. Schon nach wenigen Zügen bildet sich auf der Klinge eine schwarze Brühe, die ich dann immer wieder mit nem Taschentuch abwische. Finde, bei der Arbeit mit Öl sieht die Klinge dann immer irgendwie sauberer und besser aus, da der Schleifstaub gleich entfernt wird. Zusätzlicher Vorteil: Der Staub bleibt am Öl hängen, und man schnauft ihn nicht ein

- Pitting:
Rostnarben sind lästig, um sie komplett zu entfernen, muss man ordentlich Metall abnehem. Ich halte das aber bei vielen Klingen (Hohlschliff!) für nicht ratsam. Damit es aber optisch bisschen besser aussieht, kann man in den Löchern Polierpaste einwirken lassen (siehe unten) und dann mit einer Zündkerzenbürste versuchen, die winzigen Fraßlöcher „auszufegen“. Diese Messingbürsten, können den Rost abtragen, sind aber weich genug, um den Stahl der Klinge nicht zu zerkratzen. Kostet so zwischen 2 und 3 Euro im Baumarkt

- Kartoffelmethode
Hab ich auf SRP entdeckt. Man kann Messer mittels Kartoffelsaft entrosten. Ich nehm dazu ein bis zwei Kartoffeln, würfele sie und stecke sie in ein normales Saftglas. Nun stecke ich die Klinge in das Glas und sehe zu, dass die Klinge vollständigen Kontakt zu den Kartoffelstücken hat. Nach ein bis zwei Stunden hat sich mächtige was getan: Die Klinge ist schwarz und mit Schlieren übersäht. Kann man aber leicht wegpolieren (Paste). Danach sieht die Klinge besser aus als vorher.
Vorsicht: Manche empfehlen das gleiche Vorgehen, nur mit Zwiebeln. Ich rate davon ab. Hab das einmal gemacht, die Klinge sah dann noch übler aus, als nach dem Kartoffelbad, allerdings konnte ich den Dreck danach fast nicht mehr wegkriegen. Besser Finger weg, hiervon!
2. Polieren
Polierpasten gibt es dutzende. Ich nehm meistens „AKO“ her, gibt’s billig im Obi.

Das Zeug enthält Salmiakseife, was die Oxidationsschicht anlöst. Man kann es ein paar Minten einwirken lassen und dann mit frischer Paste abpolieren. Da geht dann einiges weg! Wegen dem scharfen Salmiakgeruch sollte man aber besser bei offenem Fenster arbeiten, ich benutze die Paste ausserdem nur mit Latexhandschuhen.
Im Baumarkt gibt’s für 2-3€ sog. Schleifkorken. Damit kann man die Klinge, in Vernindung mit Polierpaste auf Hochglanz polieren. Durch die „scharfen“ Kanten, kann man sehr präzise arbeiten, und Stellen, wie den (Doppel-)Ansatz, an dem oft Schmodder übrig bleibt, gut ausputzen. Natürlich nimmt der Kork den schwarzen Polierabrieb auf, ich nehm dann immer eine alte Hobelklinge und schneide dann sparsam die verschmutze Oberfläche ab. Die scharfe Klinge ermöglicht einen glatten Schnitt, man kann auch hauchdünn abtragen und verliert somit nicht nennenswert an Material

3. Hobelklinge
Nicht nur für den Schleifkorken gut, sondern auch fürs Abschleifen an schwierigen Stellen. Oft sind die Messerhefte ja noch intakt, aber innen recht versifft. Ich nehm dann feines Schleifpapier (600-1000), wickel einen schmalen Streifen um die Hobelklinge. Somit kann man jetzt gut zwischen den Griffschalen abschleifen und dort gründlich sauber machen, ohne dass man das Heft durchschmirgelt. (Hohe Körnung reicht da völlig). Ebenso kann man mit dieser Methode schwierige Stellen, wie die Oberseite des Erls bearbeiten. Einfach Messer auf 180° aufklappen und schon kann man da prima mit der umwickeleten Hobelklinge arbeiten


4. Zahnstocker
- Feinschliff
Für fieselige Präzisionsarbeiten, z.B. an Goldätzungen (siehe Filarmonica), nehm ich Schleifpapier, und wickel es um die Spitze eines Zahnstochers, so kann man millimetergenau abschleifen. Vorsicht: Durch den hohen punktuellen Druck hinterlässt auch 1000er Papier deutliche Kratzer. Eignet sich auch gut, um am Ansatz schwarze Stellen zu entfernen

- Feinpolitur mit Chromoxid (Lukas)
Zahnstocher platt drücken, in Lukas-Farbe tauchen, ordentlich trocken lassen. Wie oben beschrieben, kann man somit millimetergenau polieren. Rost entfernt das natürlich nicht, aber es bringt zum Teil ordentlich Glanz. Alternative: Ein Ohrenstäbchen in die Farbe tauchen, somit kann man bisschen großflächiger arbeiten.

Zum Beweis, dass es funktioniert, ein paar meiner Restaurationserfolge. Beim Fili z.B, hab ich zwischen der Ätzung mit dem Zahnstocher arbeiten müssen.
George Butler 6/8“
vorher:



nachher:

Kabrand 7/8“
vorher:

nachher:

Filarmonia #14 Especial

So, hoffe, es hat euch was genützt. Kritik ist erwünscht, aber ich würde euch viel mehr beten, auch eure „Taschenspieletricks“ bei der Restauration zu posten.
P.S.:
Mein besonderer Dank geht an redmatze, ohne dessen wertvolle Tipps und Ratschläge ich die drei Messer sicherlich nicht so gut hinbekommen hätte.
