Hallo Shirai,
es juckt mir in den Fingern, etwas zu dem Merkur 25c zu schreiben, weil ich diesen Hobel außerordentlich wertschätze!
Ich habe mir vor vier Monaten (um Karneval 2009) diesen Hobel zugelegt, weil er so anmutig im Schaufenster einer nahegelegenden Drogerie lag. Was da auf mich zukommt, wußte ich beim Kauf nicht. Ich hatte vorher nur den Wilkinson Classic und vor allem den Merkur Futur (Stufe 3 bis 4) in ständiger Benutzung. Derzeit habe ich neben dem 25er sechs weitere Hobel in meinem Besitz:
Wilikinson Classic, Merkur Futur, Merkur 34c, Parker 91, Feather Reisehobel, Gillette Butterfly (von Anno Dazumal). Diese Hobel sind allesamt Hobel mit geschlossener Schaumkante, sie sind also nicht gezahnt. Mit all diesen "geschlossenen Hobeln" kombiniert mit meinen favorisierten Klingen, die ja mitunter von Hobler zu Hobler sehr unterschiedlich bewertet werden, erziele ich befriedigende bis sehr gute Ergebnisse im Hinblick auf Gründlichkeit und Verträglichkeit (Sanftheit).
Der Merkur 25c ist jedoch etwas besonderes aufgrund seiner "gezahnten" Beschaffenheit. Er kommt bei mir zum Einsatz, wenn:
* ein Zwei- oder Dreitagebart ab muß;
* ich im Zusammenspiel mit Souplex- oder Featherklingen (meine persönlichen Lieblingsklingen) ein erstklassiges Ergebnis erzielen will, bei
dem es weniger auf Sanftheit ankommt (Betonung liegt auf Gründlichkeit);
* ich die "Nackenmatte" entfernen möchte, nachdem ich mit einem Bartschneider meinen Kopf rasiert habe;
* ich sehr saubere Konturen schneiden möchte (Bart, Kotletten).
Der 25er Merkur ist ein richtiger Zahnkammhobel, was den "Abtransport" der abgehobelten Stoppeln betrifft. Anders als bei "geschlossenen" Hobeln verfangen sich die Stoppeln nicht zwischen Schaumkante und Klinge; vielmehr rutschen die Stoppeln gemeinsam mit dem weggeschobenen Schaum über den Kopf des Hobels. Gerade deshalb ist der 25er besonders geeignet für längere Stoppeln wie bei 2-, 3- oder gar 4-Tagebärten. Durch den Abtransport der (längeren) Stoppeln über den Kopf des Hobels wird die Funktion der Klinge nicht beeinträchtigt.
Ein anderer (subjektiver) Eindruck, den ich mit dem 25er Zahnkammhobel gemacht habe ich der, daß ich die Haut nicht so sehr mithilfe der Finger oder mithilfe von Grimassen spannen muß, um gute bis sehr gute Ergebnisse zu erzielen. Irgendwie scheint der Hobel dieses Hautspannen selbst zu übernehmen, ohne daß ich deutlich nachhelfen muß. Auf diese Weise läßt es sich mit ihm leicht rasieren.
Was die Vertäglichkeit oder Sanftheit betrifft, glaube ich, daß beispielsweise der Gillette Butterfly oder auch der Merkur 34c ein wenig sanfter ist; sollte die Haut ein wenig mitgenommener sein, rasiere ich mich mit diesen Hobeln lieber als mit dem 25er.
Es liegt also auf der Hand, daß der 25er im Vergleich zu geschlossenen Hobeln eine ganz eigene Charakteristik hat, die es lohnt kennenzulernen. Ein anderer Aspekt ist die Grifffrage: Man sollte mit einem längeren, dünneren Griff zurecht kommen. Was Griffe betrifft, so scheiden sich ja auch da die Geister.
Zum Schluß meine subjektiv gefärbte Einschätzung: Wenn ich mit nur einem Hobel auf eine einsame Insel mit Palmen, an denen Feather- und Souplexklingen wachsen würden, ziehen müßte, würde ich vermutlich den Merkur 34c mitnehmen. Wenn man mir allerdings gestatten würde, einen zweiten Hobel mitzunehmen, fiele meine Wahl auf den Merkur 25er.
Beste Grüße
Wolfgang
PS: Beim Schreiben dieser Zeilen habe ich festgestellt, daß ich dringenst einen zweiten Zahnkammhobel benötige...

PPS: Vor einiger Zeit habe ich in der Rubrik Rasur des Tages mal die Woche der Harke begangen: Dort habe ich eine Woche lang über meine Erfahrungen mit der 25er-Harke geschrieben.
http://www.gut-rasiert.de/forum/index.php/topic,4998.30.html