Der Winkel ist sehr beschränkt, daran sollte es nicht liegen. Mann kann die GEM- oder Everready-Hobel nur sehr eingeschränkt abwinkeln.
Die Klingen für Schaber bitte gleich vergessen. Es liegt am System selber. Schau Dir mal die Klingen an. Sie sind dick und starr und haben dadurch einen stumpferen Schneidenwinkel als die viel flacheren Double Edge. Außerdem sind sie durch die Dicke völlig starr.
Das ist schon das ganze Geheimnis. Entweder es klappt, oder nicht.
Ähem, I beg to differ

...
Mit den Single-Edge-Hobeln kann man sich sehr gut rasieren, ich tue dies seit ca. 1½ Jahren und mit deutlich besserem Erfolg als den »Standard-Rezepten« 34C usw..
Es gibt aber beim Umgang mit den SEs 4 ganz essentielle Punkte zu beachten:
- Am Wichtigsten: Hobel flach ansetzen, und zwar wesentlich flacher als jeden Double-Edge-Hobel. Wenn man denkt flacher geht's nicht -- noch flacher

.
Im Ernst: Am besten erklärt man es mit dem Begriff der »Bewegungsvorstellung«, aus der Sport-Pädagogik, und diese ist beim SE genau andersrum als beim DE -- wo man beim DE-Hobel den Hobel mit der Vorderkante (d.h. vor der Klinge) aufsetzt und dann den Winkel zur Haut richtig einstellt, sollte man mit dem SE so ansetzen dass man die Hinterkante des Hobel-Kopfes auf der Haut führt!
Durch die Geometrie des Hobel-Kopfes (er ist -- genau völlig flach
) liegt die Klinge dann im genau richtigen, eben flachen, Winkel an der Haut.
Dazu kommt natürlich das was für alle Hobel gilt: Null Druck!
Die SEs reagieren wg. der starreren Klinge nämlich wesentlich heikler auf zuviel Druck, d.h. mit fettem Rasierbrand.
- Das Gefühl beim Rasieren ist anders als beim DE -- man glaubt zu spüren dass die SE-Klinge die Barthaare nicht packt, aber sie rasiert trotzdem, und zwar sehr gründlich.
Jetzt heißt es darauf zu achten nicht die Hinterkante des Hobelkopfes von der Haut abzuheben!
Wenn man das tut steht die Klinge sofort zu steil, und es wird ruppig und gleichzeitig ungründlich. - Ausschließlich die Teflon-beschichteten Klingen verwenden die für Mikrotome angeboten werden.
Ich hatte mir auch extra SE-Rasierklingen aus den U.S. kommen lassen, aber die gingen alle schlechter als die Mikrotom-Klingen von Ted Pella oder Electron Microscopy Sciences - Den richtigen SE-Hobel aussuchen -- es gibt hier eine verwirrende Vielfalt mit drastisch variierender »Agressivität«, d.h. mit manchen der Dinger kann man nicht viel falsch machen (wenn man nur flach genug ansetzt, versteht sich
), während andere extrem abrasiv sind, d.h. schon beim kleinsten Druck zuviel für Rasierbrand sorgen.
In aufsteigender Reihenfolge der Aggressivität hier meine Erfahrungen:
Britische Everready -> Gem Junior -> US. Everready / GEM -> Micromatic geschl. Kamm -> Micromatic Zahnkamm --> Micromatic Clogproof
Nimm die Klingen nach der Rasur unbedingt raus und trockne sie ab, sie werden sonst gnadenlos rosten und den Rost auch im Rasierer hinterlassen.
Kann ich bei den Teflon-beschichteten Klingen absolut nicht bestätigen.
Wenn die Klinge wirklich lange im Rasierer bleibt kann es zu Verfärbungen kommen, aber Rost hatte ich noch nie.
Vor dem Kauf solch speziellerer Geräte, empfehle ich Harzer, Mr Razor, oder auch mich zu fragen, was es damit auf sich hat. So kann man solchen Überraschungen auch mal aus dem Wege gehen. Ich gebe sehr gerne Auskunft.
Also nix gegen die Experten... aber mit 2 Wochen kurz probiert und dann weggelegt wird man den SEs nicht gerecht.
Das wäre wie wenn ein in langen Jahren an Fusion oder Quattro Gewohnter einen 34er nach ähnlich kurzer Zeit als veraltet und untauglich abserviert... immer dran denken: Man kann immer noch Klingen für die SEs kaufen obwohl der die Herstellung der SE-Hobel vor mindestens 35 Jahren eingestellt wurde.
Das hat einen Grund, und der ist nicht dass die Masochisten nicht aussterben


.
Ich selber habe die Rasur mit diesen Single Edge aus den genannten Gründen übrigens drangegeben. Das brachte mir nichts.
Letztlich kommt's immer darauf an ob der Hobel zum Bart passt

. Wer dünne und weiche Barthaare hat braucht keinen Micromatic, oder überhaupt keinen SE... genausowenig wie er bei den DEs einen 37er mit Feather-Klingen benötigen würde.
Wer aber unter dicken, harten Barthaare leidet sollte die SEs durchaus mal probieren!
Richtig angewendet sind sie meiner Erfahrung nach zu sehr gründlichen, aber brauchbar schonenden Rasuren in der Lage.
Anders formuliert: Mit einem 37er könnt ich mich nie täglich so gründlich rasieren dass die Rasur bei entspr. Unlust oder Zeitmangel auch mal 2 Tage hält

.
Dazu sind viele der SE-Hobel sehr hochwertig verarbeitet, grade wenn man mit heute noch hergestellten DE-Hobeln vergleicht.
Die Nachteile sind eigentlich nur die umständliche Klingen-Logistik (aber auch nicht schlimmer als z.B. Feather-DEs) sowie die im Vergleich mit DEs geringere Standzeit der Klingen -- man verschleißt halt eine Klinge schneller als zwei.
Das Einzige was ich wirklich schade finde ist dass Feather keine SE-Klingen anbietet

...
Hallo und Willkommen
Interessant, daß sich jemand so mit SE beschäftigt. Nur, was war jetzt an deinen Ausführungen so viel anders als meine eigene Beschreibung? Du schreibst richtig man muß extrem flach ansetzen und ich schrieb vorher, daß der Winkel extrem schmal ist in dem man sich rasieren kann. Dann schreibst Du "aber mit 2 Wochen kurz probiert und dann weggelegt wird man den SEs nicht gerecht." und ich habe vorher bemerkt "Du wirst Dich, wenn Du das fortführen willst, an diese Klingen gewöhnen müßen.".
Ich denke wir liegen nicht so weit auseinander, wie man nun bei Dir erlesen könnte. Der Rest ist der persönliche Faktor, also entweder es liegt einem oder es liegt einem nicht. Mir liegt es nicht so, sich mit Single Edge zu rasieren. Da ich eine große Menge Double Edge habe, die ich auch alle mehr oder weniger verwenden mächte, möchte ich mich folgerichtig nicht auf diese Art der Rasur immer einstellen müssen. Und da ich mit den Double Edge Hobeln feinste Rasuren habe, wäre es für mich unnötig mich darauf einzulassen. Ich liebe übrigens eher die Injectoren, die mir leichter und angenehmer gründlichste Rasuren liefern. Auf dem Gebiet liege ich hier, so wie Du mit SE, fast alleine mit meiner guten Meinung da und viele gaben auf, weil sie den Injector wie einen normalen Hobel benutzten, was meiner anderen Erfahrung nach nicht gelingen kann.
Ich habe an verschiedenen Stellen aber schon bemerkt, daß man sich durchaus gut mit SE rasieren kann, auch im anderen Forum.
Im Gegensatz zu Deiner Aufstellung, empfinde ich übrigens die Ever-Ready, die der 1912'er Ausführung entsprechen, deutlich händelbarer und abrasiver als die verschiedenen Micromatic. Wobei ich aber keinen Micromatic Zahnkamm habe und keinen Clogproof kenne. Und immer von den einzigen Klingen ausgehend, ide ich verwendete.
Ich habe kürzlich übrigens ein sehr sehr schönes Ever-Ready-Set bei "Zeigt her eure Hobel" gezeigt, bei dem auch ein Klingen schärfer bei war, aber leider der Strop fehlte.
Ich hatte übrigens GEM - Stainless Klingen, die angeblich PTFE Coated gewesen sein sollen, von Ted Pella, wenn ich mich recht erinnere. Die wurden damals in einer Einzelaktion im anderen Forum bestellt und ausnahmslos jeder hatte mit dieser Lieferung sich erst schwarz, dann braun verfärbende Klingen. Rost-braun. Ob das jetzt wirklich Rost ist, wollte ich nie wissenschaftlich untersuchen, denn daß sie sich verfärben und dieser "Belag" sich ebenfalls rostbraun auf den Rasierer niederschlägt, reichte mir damals und heute, denn der Belag geht je nach Oberfläche doch recht schlecht ab. Abhilfe schaffte da nur das entnehmen der Klingen, oder das abtrocknen und wieder einlegen.
Clogproof sagt mir nichts und anderen gewiß auch nicht, vielleicht wären Fotos angebracht, damit andere sich nach Deinen Empfehlungen richten können.
Dann wünsche ich Dir weiter Spaß mit den Geräten.
Ciao
//edit by bbx: Hab hier auch noch ein schließendes Tag eingebaut.