Nachdem ich die letzten Tage hibbelig um meinen Briefkasten herumgeschlichen bin, konnte ich gestern auch ein Einschreiben aus Solingen aus dem Postfach holen.
Erster Eindruck: Was ich schon ein oder zwei Mal gelesen habe, bestätigt sich auch bei mir: Die Messer sehen in Natura sehr viel besser aus, als auf den Fotos auf der Wacker Homepage. Die recht tief gravierten Logos wirken so wirklich edel. Davon abgesehen sind die Messer schlicht, aber schön verarbeitet; sicher im Gegensatz zu anderen Modellen nichts für die Vitrine, aber dafür habe ich sie ja auch nicht gekauft.
Überrascht hat mich das Gewicht. Bisher besaß ich nur ein vollhohles Dovo Black Star und das ist sehr viel leichter als die beiden Wacker. Allein der Rücken der beiden Double-Messer ist auch fast doppelt so breit und zusammen mit dem derberen Schliff ist das Gewicht schon nachzuvollziehen. Erste Befürchtungen, das Messer könnten sich duruch die schweren mit dem leichten Hornheft als Kopflastig erweisen, haben sich später nicht bestätigt.
Die Vorbereitungen: Meine masochistischen Neigungen sind nicht all zu ausgeprägt, also spare ich mir sämtliche Rasurversuche ohne Vorbereitung. Eigentlich hätte ich mit den Wacker Messern gerne den bei Dagobert bestellten Hängeriemen eingeweiht und umgekehrt, aber leider hat das gute Stück noch nicht den Weg zu mir gefunden und meine Geduld reicht nicht, um zu warten. Also zunächst mal rund 40 Züge auf der anbearbeiteten Lederseite, danach so etwas das Selbe auf der glatten Seite des Abziehriemens, während der Calani-Purisma Schaum einwirkt.
Die Rasur: Die Handhabung ist wirklich angenehm Der Achtel-Inch mehr im Vergleich zu meinem anderen macht das Manövrieren im Gesicht, was in meinem Fall auch heißt um einen Bart und lange Kotletten herum, nicht schwieriger.
Für den ersten Durchgang nehme das Wacker Keilschliff. Ich habe einen recht starken und stellenweise recht dratigen Bartwuchs, also sollten derbere Klingen eigentlich genau das Richtige für mich sein. Und tatsächlich, die Haare fallen anstandslos, auch in den besonders störrischen Zonen um den Mund und an den Kieferknochen. Über mangelnde Schärfte kann ich mich zumindest nicht beschweren, auch wenn hier einige sicher noch ein Quäntchen mehr aus dem Messer kitzeln könnten. Interessant ist der Klang, der deutlich höher ausfällt, als bei meinem Dovo.
Zweiter durchgang gegen den Strich mit dem 1/4 hohlen mit spanischem Kopf. Durch den kaum angerundeten Kopf ist hier schon etwas mehr Vorsicht geboten. Etwas enttäuscht war ich von der Gründlichkeit gegen den Strich am Hals. Da mußte dann das Keilschliff noch mal ran und bringt dann auch das gewünschte Ergebnis. An der mangelnden Schärfe kann es aber eigentlich auch hier nicht liegen, weil ich mir kurz danach mit dem Spanier in die Kottletten semmele, was dazu führt, daß ich die um zwei Zentimeter Kürzen muß, um die Lücke auszubügeln. Wächst ja aber zum Glück alles wieder nach
Bei der Rasur fühlen sich beide Messer sehr Sanft an, allerdings hatte ich danach für einige Stunden leicht Hautirritationen um den Mund. Das kann aber auch daran liegen, daß ich im Moment auch nicht wirklich fit bin und dann sowieso zu solchen Dingen neige.
Fazit: Auch wenn das Double mein Budget für Rasuruntensilien für dieses Jahr mehr oder weniger aufgebraucht hat, hab ich den Kauf nicht bereut. Die beiden Klingen haben das Zeug, meine Lieblingsmesser zu werden (auch wenn ich mich von meinem Dovo schon deshalb nicht trennen werde, weil es ein Geschenk war). Welches der beiden im internen Vergleich die Nase vorn hat, wird die Zeit zeigen. Da bin ich vor allem auf das Einrasieren gespannt und ob sie sich wirklich noch steigern.