Ich habe mir zwei neue Spyderco Steine gegönnt. Einen "Ultra-Fine",
http://www.spyderco.com/catalog/details.php?product=81, und einen "Pocket" Kombistein Fine-Medium,
http://www.spyderco.com/catalog/details.php?product=87. Der Bankstein soll als Abschlußstein herhalten, der kleine für Taschenmesser usw.
Nach der Beschreibung bestehen die Steine aus Aluminiumoxid und werden mit Keramik zu einem künstlichen Saphir versintert. Wer möchte, kann sie in den Geschirrspüler [sic!] oder Autoklav stopfen. Normale Reinigung geht mit Wiener Kalk, Scheuermilch oder Spüli und einem Küchenschwamm. Keinen Nagurastein oder ein "Brillo-Pad" (Stahlwolle mit Seife) benutzen, die werden in Rekordzeit aufgerieben und bringen nichts. An sich können die Steine trocken verwendet werden, ich bevorzuge aber etwas Wasser darauf.
Den "Pocket" habe zuerst getestet, praktischerweise kann man den sowohl aufgelegt als auch freihand verwenden. Für die Größe ist er ziemlich schwer. Der Stein will am Anfang "eingeschliffen" werden, erst dann stellt sich die eigentliche Oberfläche ein. Zu diesem Zweck habe ich ein altes Klappmesser hervorgekramt, das ich als Werzeugmesser verwende und auch dementsprechend aussieht. Die Medium-Seite geht ordentlich zur Sache. Das Schleifbild entspricht knapp einem 4000er Wasserstein, abgetragen wird aber im Tempo eines schnellen 1000er. Die große Variante wäre vielleicht für Restaurateure von Interesse, die sich langwierige Schleiforgien auf dem 1000er ersparen wollen.
Die Fine-Seite ist, wie der Name schon vermuten läßt - fein. Bei 30-facher Vergrößerung sind fast keine Riefen mehr zu erkennen, das Schleifbild entspricht mindestens einem guten 8000er Wasserstein. Die Abtraggeschwindigkeit ist nicht ganz so hoch wie beim Medium aber kein Vergleich zu einem entsprechenden Wasserstein. Der Kombistein war nun eingearbeitet, die Oberflächen sind etwas glatter geworden. Das Messer ist recht scharf geworden, ich habe bei den Durchgängen nicht übermäßig auf die Schärfe Wert gelegt.
Eigentliches Testobjekt war ein "Glock" Bundesheermesser aus Normalstahl. Die Facette war grob mit einem Sensenwetzstein vorbereitet - nicht sonderlich scharf. Gut 5 Minuten auf der Medium-Seite 8er geschliffen, weitere 5 Minuten auf der Fine-Seite und nochmals 5 Minuten freihand. Ergebnis war eine fast polierte Facette und man konnte sich über die ganze Länge bis zur Spitze recht gut die Haare vom Oberarm rasieren. Zum Abschluß noch freihand die Schneide mit einem auf Holz geklebten Leder mit grüner Paste poliert. Rasiert problemlos die Haare vom Arm. Mit solch großen und groben Messern beschädigt man leicht die weichen Wassersteine, dafür sind die Spyderco ideal - die geben nicht nach. Für so einen kleinen Kombistein war das Ergebnis mehr als beeindruckend, kann ich nur empfehlen. Der große Fine-Stein ist sicher auch für Rasiermesser geeignet, man darf aber nicht vergessen, daß er sehr schnell abträgt - das liegt vielleicht nicht jedem. Außerdem ist das Schleifgefühl ganz anders, da es keinen puffernden Schleifschlamm gibt.
Der große Ultra-Fine ist für die Größe sehr schwer. Die Oberflachen zeigen noch Riefen von der Verarbeitung, sehen aber ärger aus als sie sind. Die beiden Seiten unbedingt auf Planheit kontrollieren. Bei mir war eine Seite deutlich besser als die andere - nicht 100% aber ausreichend. Planschleifen kann man nebenbei vergessen. Berichten des B&B Forum nach, braucht man sogar mit einer Diamantläppplatte einen ganzen Tag, der Stein ist einfach zu hart. Nach der Einarbeitung mit den Werkzeugmesser sind die Riefen fast verschwunden.
Testobjekt hier war ein Rasiermesser aus sehr hartem "Silver Steel", vorbereitet auf einem 8000er Wasserstein. Das Schärfen selbst ist eher unspektakulär, wenig Rückmeldung vom Stein. Das Messer gleitet am Wasserfilm einfach so über die Keramik. Fast kein Abtrag zu sehen, es geht aber was weiter. Die Facette sieht wirklich so wie hier, unter Spyderco - Ultra Fine
http://www.tzknives.com/razorbevels.html, zu sehen ist, aus. Es ist mit 30-facher Vergrößerung nichts mehr zu erkennen (Edit: stimmt nicht ganz, im Lichtspiegel ist ein hauchfeiner Ansatz eines brauchbaren Grats zu sehen), der Haartest gelingt direkt vom Stein weg. Am Leder fühlt es sich noch etwas kratzig an, kurz über die Paste - fertig.
Da mir Vergleichsmöglichkeiten fehlen, kann ich nur die geschätzte Feinheit von B&B Forum wiedergeben, der Ultra-Fine kommt auf 13.000 - 14.000. Er ist jedenfalls wesentlich feiner als ein 8000er Wasserstein. Abschließend kann ich eine ganz starke Empfehlung für diese Steine aussprechen.