Muss ja so sein sonst könnte ich mir nicht erklären warum zwei identische Messer (...) so unterschiedlich Rasieren, dass erst nach ca. 3 Rasuren eine ähnlich Sanftes Rasieren damit möglich ist.
Hi Wastl,
lass mich dazu kurz ein paar Worte verlieren.
Möchte man einen Vergleich anstellen, um was auch immer es geht, gibt es einige statistische Werkzeuge, die einen unterstützen können und dir sagen wann du auf dem Holzweg bist.
Der Mensch ist von Natur aus voreingenommen. Im Fachjargon nennt man das einen
Bias.
Diese verzerrte Wahrnehmung führt dazu dass wir Fehlentscheidungen treffen und es nicht einmal merken.
Ein Beispiel ist der Overconfidence Effect. Er erklärt, dass Menschen ihre Fähigkeit Vorhersagen zu machen maßlos überschätzen, aber im echten Leben viel zu selten wiederlegt werden (meist mangels Beweise)
sodass ein Lerneffekt ausbleibt. Ein Beispiel hierfür sind Wettervorhersagen oder noch besser Börsenkurse. Kein Ökonom konnte den Zeitpunkt und Verlauf des Börsencrashs zuverlässig vorhersagen.
Der Mensch leidet unter der Vorstellung eine Aussage über diese Dinge treffen zu können, ohne die nötigen Informationen und Werkzeuge zu besitzen. Das Wetter ist eben von zu vielen Einflüssen abhängig.
Das beirrt den Wetterdienst aber nicht die Temperatur der nächsten 14 Tage auf ein Grad genau angeben zu wollen.
Der Grund hierfür ist meist der Confirmation Bias. Er erklärt, dass Menschen sich gerne in ihren Werten, Idealen und Ideen bestätigt fühlen. Es scheint einfacher zu sein, sich neu gewonnene Informationen
so hinzubiegen, dass sie sich in unser bereits bestehendes Weltbild eingliedern lassen, als dieses über den Haufen zu werfen. Ein Beispiel hierfür ist in der Physik zu treffen. Kaum ein Wissenschaftszweig ist so verworfen
und voll von absurden und widersprüchlichen Ideen. In der Schule wird noch heute ein Weltbild geleert, dass der Newtonschen Mechanik gehorcht. Das ist aber gar nicht der Fall.
Es gibt Unsummen von Beweisen
für die Newtonsche Mechanik, beispielsweise die teils sehr exakten Vorhersagen von bewegten Objekten. Der Punkt ist jedoch folgender:
Alle Beweise für eine Theorie gemeinsam auf eine Waage gelegt haben weniger Gewicht als ein einziger Gegenbeweis. Da unser Gehirn aber stets nach Beweisen
für eine Theorie sucht,
also nach Bestätigung, und bei Newton reichlich fündig wird, versäumt unser Gehirn es nach Gegentheorien ausschau zu halten.
Ein Beispiel.
Ein Universitätsprofessor stellt eine einfache Aufgabe:
Welche Regel liegt der folgenden Zahlenreihe zugrunde?
2, 4, 6Jeder darf so viele Fragen stellen wie er will, jedoch nur einmal raten wie die Regel lautet.
Ein Schüler meldet sich und fragt:
Lautet die nächste Zahl 8?Der Professor nickt.
Er fragt noch einmal:
lautet die darauf folgende Zahl 10 und die darauf folgende 12?Der Professor nickt zwei mal.
Der Schüler rät:
Lautet die Regel zwei zu jeder Zahl hinzuzuzählen?Der Professor schüttelt den Kopf. Falsch!
Was war der Fehler? Der Schüler hatte eine Idee und hat sich diese vom Professor bestätigen lassen,
hat es aber versäumt nach einem Gegenbeweis zu suchen. Er hätte den Professor fragen sollen, ob 7 ebenfalls richtig gewesen wäre.
Ein anderer Schüler fragt folgende Zahlen ab: 7, 8, 16, 40, 0, 4, -3
und errät schließlich die Regel:
Die folgende Zahl muss größer sein als die vorherige.Was sagt uns diese kleine Geschichte?
Der Mensch ist nicht gut darin Vergleiche anzustellen, Theorien zu entwickeln und Entscheidungen fundiert zu treffen.
Daher gibt es einige Methoden in der Statistik, die diesen Bias und Fallacies nicht unterliegen.
Die Methoden der Statistik auf dein Experiment angewendet würden ein lächerlich unsignifikantes Ergebnis erzeugen.
Du benutzt keine Kontrollgruppe, keine Blindversuche und es wurden viel, viel zu wenige Daten erhoben.
Aber das wichtigste Grundproblem ist: Es gibt keine identischen Messer und keinen identischen Schliff.
Die Ergebnisse sind nicht reproduzierbar und wahrscheinlich nicht mal wiederholbar.
Ab 8.000 spalten wir Messerschärfer sprichwörtlich Haare.
Was heißt das nun für uns? Sobald ein Finishstein ein gewisses Potential zum erzeugen einer rasurfertigen Schneide besitzt,
ist es nahezu unmöglich echte, nicht auf Zufall und Bias basierende Unterschiede festzustellen.
Ich bin mir sicher du könntest mir in einem Blindexperiment nicht ein Messer geschärft auf dem Franken
von dem Geschärft auf meinem Shapton 30.000 zuverlässig benennen. Der Franke ist ein Abschlussstein.
Die größten Unterschiede zu anderen Abschlusssteinen sind seine Härte, das Schleifgefühl und die Geschwindigkeit.
Rasurergebnisse und vermeintliche Verzahnungen sind nicht reproduzierbar nachzuweisen