Liebe Leute!
Erstmals herzlichen Dank an Euch Alle, die Ihr Euch um das Thema Rasur so sehr annehmt und für die vielen Tipps, Tricks und Erfahrungen in diesem Forum. Ohne Euch hätte ich den Schritt zum Hobeln wahrscheinlich nicht gewagt. Neben Eurem Engagement war ein weiterer Beweggrund, dass ich einen sehr starken Bart habe. Daher kam ich auch noch nie mit Gilette-Produkten klar, die ich einfach als zu sanft empfand und daher immer schon zu Wilkinson griff, aktuell die Quattro Titanium. 5-7 Züge gegen den Strich bringen damit ein anständiges Ergebnis. Störend jedoch, wie bei allen neuen Mehrfachklingen mit jeder Menge von Gleit/Gel-Streifen (die man wahrscheinlich braucht, wenn man Dosenrasierschaum verwendet) ist die enorme Breite des Klingenkopfes, was das Rasieren z.B. unter der Nase nicht wirklich vereinfacht. Und letztendlich habe ich das Gefühl, dass die Fertigungsqualität nicht mehr die Beste ist, da bei jedem 2. bis 3. Klingenkopf, den man neu einsetzt, ein sehr unangenehmes Ziehen auf der Haut entsteht. Und das ist auf Dauer bei den Preisen nicht akzeptabel.
Also einen Progress 510 bestellt, der heute auch angekommen ist. Ausgepackt und erstmals: WOW! Das Ding hat Stil. Heavy Metal wo man hinschaut. Sieht sowas von gut aus, liegt gut und schwer in der Hand. Ein kurzer Blick auf den Plastik-Wilkinson lässt einen erschaudern

. Also ab ins Badezimmer, nach 12 Stunden ist schon wieder genug Bart da, um den Test zu beginnen...
Erstmals eingeseift (Proraso mit Mühle Silberdachs) und dann mal die Klinge rein (habe die mitgelieferte Merkur genommen). Danach nochmal nachgeseift, Stufe 2 eingestellt und...OK wie war das noch mal? Nicht aufdrücken! 30-Grad-Winkel! Alle Tipps und Tricks schossen mir durch den Kopf! Ein wenig Respekt hat man ja doch vor dieser gefährlichen Schönheit...und los geht's. Als Rechtshänder habe ich mit der rechten Wange mit dem Strich begonnen. Erster Strich: gar nix. Winkel ändern! Zweiter Strich: noch immer nix! Winkel ändern! Dritter Strich: Hallo! Ich höre was! Ein bisserl noch mit dem Winkel spielen! Vierter Strich: Das gibts nicht, ich glaub das funktioniert!!!! Winkel merken und nochmals die selbe Stelle, aber diesmal gleich mal mit Stufe 3 und...JaJaJaJa!! Hihi!! Funktioniert!! Blutlos! Noch alles dran! Weitermachen mit neuer Stelle...und natürlich den Winkel verloren...
Nach einigen Versuchen, Neueinseifungen etc. die erste wichtige Erkenntnis: das Handgelenk so steif wie möglich halten und den Arm die Bewegung ausführen lassen, dann verliert man den richtigen Winkel nicht so schnell. Ist etwas, was man von den "normalen" Rasierern nicht kennt und was neu ist. Aber es geht! Und es geht gut!
Schwieriger war dann die linke Wange. Hier verliere ich den Winkel nach fast jedem Zug, aber das ist sicher nur eine Übungssache.
Ähnlich beim Hals, rechts überraschend gut, links wird schon werden.
Erster Fühltest: die Stellen, die ich anscheinend erwischt habe, fühlen sich schon mal recht gut an. Aber noch nicht perfekt, also ein wenig die Wangen gegen den Strich hobeln und: es ist unglaublich! Natürlich "treffe" ich noch nicht alle Stellen, aber diejenigen, die schön gehobelt werden, sind sowas von glatt!
Den Hals gegen den Strich erfordert noch einiges an Übung, aber das ist es Wert, wenn ich mein Werk an den Wangen betrachte.
Das Kinn habe ich jetzt einmal respektvoll nur vorsichtig mit dem Strich rasiert (Hey, geschafft, das erste Blut! Aber nur ganz winziges Cut), die Oberlippe ebenfalls mit und anschließend quer dem Strich rasiert. Geht, hier fehlt es an Übung und vielleicht noch ein wenig auch an Selbstvertrauen.
Plötzlich geht die Badezimmertür auf und eine besorgte Ehefrau steckt ihren Kopf ins Badezimmer.
"Alles OK? Bist jetzt schon 45 Minuten im Bad"
"Na klar, fühl mal!"
(Natürlich streicht sie über eine Stelle, die ich nicht so gut erwischte und erntete ein liebevolles, aber ehrliches "Naja")
"Nein, hier musst du fühlen!"
"Ach ja! Hmm! Fühlt sich gut an!"
Und ich erntete ein Lächeln und ein Küßchen auf meine (überwiegend) glatte rechte Wange. Wenn dies nicht ein mehr als gerechter Lohn für meinen Mut zum Hobeln ist?!
Sie dreht sich um, um das Bad zu verlassen und sagt noch so etwas wie: "Ich finde es ja toll, was Ihr Männer nicht alles an neuen Spielzeugen findet...", schenkt mir nochmals das Lächeln, dass zur Hälfte aus Ironie und zur Anderen aus all den Gefühlen aus 23 Jahren Ehe besteht und geht. Ebenfalls lächelnd drehe ich mich wieder Richtung Spiegel und beschließe, dass es für heute genug ist. Man soll ja nicht gleich übertreiben. Noch ein wenig Balsam (Proraso) auftragen, den Hobel schön säubern und das war es dann auch schon mit dem ersten Versuch des Hobelns.
Abschließend nochmals ein herzliches Danke an alle Community-Mitglieder, die mich animierten, diese Form des Rasierens zu versuchen. Also ich bleib sicher dran!
Und an alle, die sich noch mit dem Gedanken ans Hobeln herumschlagen, nicht sicher sind, ob sie es versuchen sollen, ob sie das schaffen etc. ein eindeutiges, ehrliches und überzeugtes "Ja, auf jeden Fall ausprobieren!" Sicher muss man ein wenig Zeit investieren, bis man die "perfekte" Rasur schafft, aber ich bin mir heute schon sicher, das es sich lohnt.
Werde über meine Fortschritte weiterberichten..
Liebe Grüße aus Wien!