Weberrazor - eine neue Edelstahlhobelmarke - Testbericht
EinleitungIm Dezember 2011 hat Moccahead in unserem Forum auf Ed Weber aufmerksam gemacht, der unter
www.weberrazor.com einen Edelstahlhobel mit geraden Schaumkanten vertreibt. Fotos dieses neuen Edelstahlhobels werden auf der Homepage des Herstellers gezeigt. Der dort abgebildete Hobel hat einen geschwärzten Hobelkopf, der eine gewisse Ähnlichkeit zum Hobelkopf des Merkur 23c/33c aufweist. Dies führte in unserem Forum natürlich auch gleich wieder zu gewissen qualifizierten Aussagen wie
Merkurkopie,
23c-Kopie oder
Merkurplagiat. Hierzu möchte ich anmerken, dass es
den typischen Merkurkopf überhaupt nicht gibt, denn die Fa. Dovo/Merkur produziert neben einem Hobelkopf mit geraden Schaumkanten auch noch einen Zahnkamm- und einen Torsionskopf, wenn ich mal die futuristisch aussehenden Exemplare
Futur und
Vision vernachlässige. Es ist daher nicht richtig, von einer
Kopie oder einem
Plagiat zu sprechen. Wenn wir auf unseren Straßen die vielen Kompaktwagen der Mittelklasse sehen, zum Beispiel Seat, Renault, Peugeot, Fiat, Toyota und andere, sprechen wir ja auch nicht von Golf-Kopien, auch wenn diese KFZ aus einem gewissen Abstand betrachtet alle in gewisser Weise einem VW-Golf ähnlich sehen. Lasst uns also dieses Thema etwas objektiver betrachten.
Technische Informationen zum Weber-EdelstahlhobelKaufinteressenten, die bisher einen DE-Rasierer aus Edelstahl erwerben wollten, waren dazu ausschließlich auf die Hobelmodelle von
Feather,
Goodfella,
Ikon und
Lux angewiesen oder mussten auf einen Selbstbau zurückgreifen. Der
Lux-Edelstahlhobel kann inzwischen nur noch auf Flohmärkten oder über Onlineauktionen erworben werden.
Der Hersteller des neuen Weber-Edelstahlhobels wird diese gerade beschriebene Marktsituation sicherlich auch erkannt haben, denn der von ihm angebotene neue DE-Rasierer ermöglicht es ihm, von diesem Markt besonderer Rasiererhobel aus Edelstahl einen gewissen Anteil abzuschöpfen. Um dieses Ziel zu erreichen, präsentierte die
Weber Razor LLC auch keine wirkliche technische Neuschöpfung, sondern wählte eine über viele Jahrzehnte bewährte technische Konstruktion mit geraden Schaumkanten aus und fertigt diese nun in Edelstahl.
Bevor ich auf die technischen Daten zu diesem DE-Rasierer eingehe, möchte ich vorab einige Fotos dazu zeigen.

Abb. 1: Ansicht des Weberhobels von oben

Abb. 2: Die Ansicht des Weberhobels von der Seite

Abb. 3: Der Hobelkopf, Ansicht 1

Abb. 4: Der Hobelkopf, Ansicht 2

Abb. 5: Einzelteile des Hobels; Klingenauflageplatte von oben gesehen

Abb. 6: Einzelteile des Hobels; Klingenauflageplatte von unten gesehen

Abb. 7: Seitenansicht des Hobelkopfes
Technische DatenRasierertyp: 3-Stück-Nassrasierer mit geraden Schaumkanten
Hersteller: Weber Razor LLC, USA
Verfügbarkeit: seit 2011 erhältlich, allerdings ist die Stückzahl begrenzt, was zeitweilig zu langen Wartezeiten führt
Werkstoff: Edelstahl
Abmessungen: 105 x 41 x 25 mm
Gewicht: 88 gr.
Kostenrahmen: ca. 57 €, inkl. Versand und deutscher MwSt.
Die Konstruktion des Weberhobels greift auf altbewährte Technik zurück: Er wird als klassischer Dreiteiler mit geraden Schaumkanten ohne Verzierungen und Schnörkel angeboten. Nichts mehr und auch nichts weniger. Man könnte annehmen, dass die einzige Konstruktionsvorgabe
„keep it simple and strong“ gewesen ist. Was könnte daran auch falsch sein, zumal sich viele andere Hobelproduzenten schon lange vor der
Weber Razor LCC dieses Mottos bedient und so auf einen Hobelkopf mit geraden Schaumkanten zurückgegriffen haben. Die nachfolgenden beiden Abbildungen zeigen den Weber-Edelstahlhobel im Kreise von ähnlich aussehenden klassischen Konkurrenzprodukten - auch dreiteilige Hobel. Die Abfolge der abgebildeten Hobel lautet von links nach rechts: Indischer Sonet-Hero, amerikanischer Weberhobel, chinesischer Big Bug, Mühle R 87 SR (Forumshobel 2009) und Merkur 33c.

Abb. 8: Weberhobel und ähnliche aussehende Hobel von oben gesehen

Abb. 9: Weberhobel und ähnliche aussehende Hobel von der Seite gesehen
Folgende weitere Hobelmarken verwenden dieselbe oder eine nur leicht abgewandelte Hobelkopfkonstruktion: Edwin Jagger DE 89, Lord Premium Safety Razor und Parker 91 R.
Der entscheidende Unterschied zwischen den Produkten der Premium- und der preiswerteren Massenhersteller zeigt sich an folgenden oft schon äußerlich sichtbaren Merkmalen:
an der Verarbeitungstiefe
- hochwertig / mittelmäßig / gering
an der Wahl des Werkstoffes
- Zinkdruckguss
- Messing
- Stahl / Edelstahl
an der Oberflächenversiegelung
- hochwertige / mittelmäßige Verchromung
- Vernickelung
- Vergoldung
- DLC-Beschichtung (Tegiment-Technologie) für besonders hohe Härte bzw. Kratzfestigkeit
Die jeweilige Qualität schlägt sich schließlich im Kaufpreis nieder. Ein chinesisches Produkt wird im Vergleich zu Produkten von Mühle oder Edwin Jagger immer günstiger zu bekommen sein.
Die Klingenauflageplatte und die Kopfplatte des Weber-Hobelkopfes sind beide aus Edelstahl gefertigt und sehr hochwertig verarbeitet. Sie reagieren allerdings magnetisch. Der Verarbeitungsgrad ist gegenüber den Produkten von Mühle und Edwin Jagger als mindestens gleichwertig anzusehen.
Beide Kopfteile sind zudem
DLC-beschichtet – eine Art
Tegiment-Beschichtungstechnologie, die für eine besondere Härte bzw. Kratzfestigkeit steht. Die
DLC-Härte liegt zwischen der Härte von Titan und der Härte eines Diamanten. Auf der Härteskala nach
Vickers würde ein Wert von 2000 erreicht werden. Auf ihrer Homepage sichert die
Weber Razor LLC für den Hobelkopf eine Härte zu, die um 2,5mal höher als die bisherige Härte von Edelstahl liegt und rund 3mal härter sein soll als eine normale Chrombeschichtung. Sollte der Weberhobel also einmal auf die Fliesen des Badezimmers herunterfallen, wird die Aufschlagstelle eher beschädigt sein als der Hobel selbst.
Das Gewicht des Weber-Hobelskopfes liegt mit 31 gr. über dem des Mühle R 87 SR (29 gr.) und des Merkur 33c (25 gr.).
Der Griff des Weberhobels ist ebenfalls aus Edelstahl gefertigt; er reagiert im Vergleich zum Hobelkopf nicht magnetisch. Vom optischen Erscheinungsbild her stellt der Weberhobel mit dem vom Hersteller mitgelieferten Originalgriff keine ästhetische Schönheit dar (siehe hierzu auch die Abbildungen 1 – 6). Die Grifflänge harmoniert nicht mit dem vom Durchmesser zu groß ausgefallenen Griffende; die Riffelung ist zudem aus meiner Sicht zu grob ausgefallen. Die Bearbeitungsspuren von der Drehbank sind ebenfalls noch etwas sichtbar. Hier müsste der Hersteller deutlich nachbessern, um einem Hobelliebhaber ein in sich stimmiges Konzept vorzulegen. Dies kann aber jeder Käufer auch selbst vornehmen, denn der Weberhobel ist werksseitig mit einem Hobelkopfgewinde ausgestattet, das mit den Gewinden der Griffe der meisten Hobelmarken kompatibel ist. In der nachfolgenden Abbildung 10 werden mögliche Griffkombinationen für den Weberhobel vorgestellt.

Abb. 10: Mögliche Griffkombinationen für den Weber-Edelstahlhobel.
Die abgebildeten Griffe von links nach rechts: Mühle R 41, Ikon OC, Ron´s Griff (2. Serie), Lux, Gillette Tech und Weber-Original. Im Vordergrund ist an den Weberhobelkopf der Griff eines alten Apollo-Torsionshobels angeschraubt. Vom äußeren Erscheinungsbild her gefällt mir der Weberhobel tatsächlich am besten mit diesem Griff.
RasurverhaltenDer Weberhobel liegt gut in meiner Hand. Er ist für mein Empfinden ziemlich kopflastig, was ich aber nicht als eine Einschränkung bei der eigentlichen Rasur empfunden habe. Ganz im Gegenteil. Wenn ich den Hobel über meine Gesichtshaut zog, vermittelte der Hobel mir immer das Gefühl, dass sich sein Hobelkopf unter dem Einfluss des hohen Eigengewichtes selbsttätig an der Haut festsaugen würde. Ein zusätzlicher Andruck war nicht weiter erforderlich, selbst nicht bei besonders störrischen Bartstoppeln. Der Hobel rasierte sauber, sanft und gründlich und glitt ohne irgendwelche spürbaren Probleme über die Kurvenzonen an Hals und Kehle.
Für die von mir ausgeführten Testrasuren habe ich folgende unterschiedliche Rasierklingen in den Weberhobel eingelegt:
- Astra,
- Derby,
- rote Personna,
- Souplex,
- Super-Max-Platinum,
- Super-Max-stainless-Steel und
- Tip (Real).
Während der Testphase wurde zum Beispiel eine Klinge für sechs aufeinander folgende Rasuren verwendet. Allerdings habe ich auch bereits in anderen Rasiererhobeln verwendete Klingen im Weberhobel ausprobiert, also Rasierklingen, die nicht frisch aus der Verpackung kamen und schon mehrmals benutzt worden waren. Auf diese Weise wollte ich herausfinden, ob der Hobel mit einer bestimmten neuen oder gebrauchten Klingenmarke bevorzugt rasieren würde. Als Ergebnis dieser Prüfung kann ich festhalten, dass mein Weberhobel überhaupt nicht klingenwählerisch war bzw. ist. Alle verwendeten Rasierklingen ließen sich gleichermaßen für die Rasur einsetzen, ohne dass sich hierbei irgendwelche negativen Begleiterscheinungen ergeben haben.
Auch die mit den in der Abbildung 10 dargestellten unterschiedlichen Griffen ausgeführten Rasuren zeigten mir, dass hierdurch kein negativer Einfluss auf das spätere Rasurergebnis ausgeübt wurde. Mit allen Griffen rasierte der Weberhobel sauber, sanft und gründlich.
Abschließende BewertungDer seit kurzem erhältliche Edelstahlhobel von
Weber Razor LLC entspricht von seinem äußeren Erscheinungsbild her bewährter Hausmannkost. Er wird in hochwertiger Qualität ausgeliefert und sorgt für saubere und gründliche Rasuren. Wer einen besonders widerstandsfähigen und unempfindlichen Rasiererhobel für den Alltag, den Urlaub und auch für Expeditionsreisen sucht, der zudem nicht mehr als 60 € kosten darf, wird mit diesem Hobel sehr gut bedient werden.
Hier noch ein Zusatz für alle diejenigen, die sich vorstellen könnten, den Weber-Edelstahlhobel als einen möglichen Forumshobel in die engere Wahl zu ziehen. Aus meiner Sicht lohnt es sich nicht, diesen Hobel dafür auszuwählen. Dies gilt in gleicher Weise auch für den neuen Böker-Hobel oder Produkte von Edwin Jagger und CO.. Sie sind nichts anderes als ganz normale Hausmannskost, die zugegebenermaßen hochwertig verarbeitet wird. Wenn ich also etwas für mich wirklich Besonderes haben möchte, was sich auf irgendeine Weise von den normalen am Markt erhältlichen Rasiererprodukten abheben soll, kann ich nur auf den Ikon S3S hinweisen. Er stellt eine innovative und eigenständige Neuentwicklung dar, die zudem hochwertig verarbeitet ist und über herausragende Rasureigenschaften verfügen soll. Letzteres kann ich allerdings nur wiedergeben, da ich diesen Hobel nicht besitze. Die Verwirklichung dieser Wunschvorstellung ist natürlich nicht zum Nulltarif zu haben, aber wer sucht, wird mit Sicherheit irgendwann auch fündig werden können.