Hallo an die verehrte Rasurgemeinde :-)
Auf meiner alltäglichen Suche nach neuen Erweiterungen meiner Sammlung bin ich letzte Woche auf diesen wunderschönen & sehr gut erhaltenen Needle Point gestossen, kennt keiner? Kein Problem, ich bis vor 3 Tagen auch nicht

Da ich das Angebot in der Bucht schon alleine der schönen Box und des vollständigen hochwertig scheinenden Inhaltes wegen interessant fand musste ich direkt mal nachforschen was sich den hinter dem Markennamen Needle Point verbirgt, die Geschichte die hinter dieser Marke ist wirklich interesant.
Der Rasierer wurde 1929 unter dem D.R.P 483681 für Paul Müller & Co. patentiert , als besondere Inovation wurde hierbei die mit Nadelartigen Zähnchen bestückte Schaumkante sowie die Schaumkante selbst genannt.
Aber wer ist die Paul Müller & Co. (?), ganz einfach, die Firma ist uns besser nach ihrer Fabrikationsstätte, den Mulcutowerken bekannt :-)
Beim Needle Point handelt es sich um den wahrscheinlich ersten DE-Rasierer der die Mulcutowerke in größeren Mengen verlassen hat, die Bezeichung Nadelspitzen ist im deutschen Bereich allerdings mehr als Zuname des Rasierers zu verstehen der auf die Zähnchen hinweist, in Deutschland wurde er nach dem ersten Mulcuto Sicherheitsrasierapparat (der noch von Paul Müllers Vater 1887 patentiert worden war und das Keilklingensystem von Ulcuto bis in die 1920er bildete) als SERVUS bezeichnet, die deutschen Patentnummern und die Bauart machen es hierbei jedoch sehr leicht ihn von seinem französischen Namensbruder zu unterscheiden.
In den USA und in Großbritannien wurde der Rasierer als Needle Point vermarktet, zuerst der hier gezeigte SERVUS später dann der Mulcuto Diamon Schrägschnitt.
Die Marke Needle Point ist demnach, genau wie die Marke Pomco und Wild, eine Auslandsmarke von Mulcuto zur Vermarktung in UK & USA und somit in ihrem Stellenwert (und wahrscheinlich Seltenheitsgrad) vergleichbar mit Grafco, Hoffritz & Lunawerk.
Der SERVUS hat sich aber anscheinend im Zuge der Wirtschaftskrise nicht durchsetzen können, so das seine Produktion vermutlich Mitte der 30er Jahre im Zuge der Einführung des Diamon eingestellt wurde, wobei ein kleiner Bestandteil an ihm überdauert hat und besonders noch bei den ersten Diamon Modellen hervortritt, die Zähnchen :-)
Allerdings wurden diese bis zu den (heute am häufigsten gezeigten) Diamon Modellen mit den nur noch groben Zähnen (siehe Photo).
Nun ja, jetzt ist die Geschichte bekannt, dann zu den Fakten dieses tollen Rasierers-
Die Box ist mit einer Art Kunstleder/schweres Prägepapier umfasst und besteht aus leichtem & dünnen Holz, insgesamt macht sie einen für die Zeit sehr ungewöhnlich leichten & luftigen Eindruck. Innen ist sie sehr weich mit purpurnem Seidenimmitat ausgekleidet (ich gehe mal pauschal von Immitat aus, mir fehlen die Testmöglichkeiten).
Der Rasierer selbst ist ein 75gr angenehm schwer, durch seinen 9cm langen Griff (ab Unterplatte) lässt sich der 2-Teiler gut in der Hand halten, wozu auch noch die solide Griffdicke von 1,3cm am Mittelstück.
Die Austarierung ist gefühlt gut, der Winkel erinnert entfernt an einen Oldtype, die Klinge liegt an den Seiten sicher auf und steht nicht übetrieben im freien, wobei der erste Strich über den Arm doch schon ein ordentliche Aggressivität vermuten lässt.
Aus welchem Material der Rasierer gefertigt ist, gute Frage, da die Beschichtung (etwas Schmutz mal abgesehen) noch vollkommen intakt ist kann ich nur mutmassen und tippe mal auf Messing, die Beschichtung ist sehr ansehlich und besteht auf jeden Fall aus Chrom, nur am Knauf und der Griffhülse vermute ich ist er evtl. versilbert, der Farbunterschied ist schon arg, aber da will ich mich noch nicht festlegen, der Juwelier wird mir was zu sagen können.
So, das wars erstmal, die nächsten Infos gibts nach der ersten Testrasur :-)

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