Ich bin schon mehrfach an anderen Stellen darauf eingegangen (Zeigt her eure Hobel), daß es gerade auch bei der Qualität dann einen gewaltigen Sprung gab. Nämlich zwischen den Vorkriegsmodellen der Marke Golf und den teils unsäglichen DDR - Modellen, die sich durch schlechte Verarbeitung, billige Materialien und deren teils fragwürdiger Paarung hervortaten. Die Reste davon werden immer noch in der Bucht verramscht. Die Verpackung war auch zu DDR - Zeiten noch sehr an die Vorkriegsmodelle engelehnt und zeigte teils Hobel, die gar nicht mehr hergestellt wurden. Oder man versuchte z. B. mit dem Golf 71 z. B. besonders modern zu sein, ohne aber die sehr schlechte verarbeitung abzulegen:
Mein damaliger Bericht:
Ich habe gestern auch noch etwas interessantes bekommen. Der eine oder andere wird den Hobel kennen. Interessant ist bei dem Teil die Umsetzung des Double Edge Prinzips, aus der sich eine deutliche Annäherung an die späten Single Edge Modelle von GEM ergibt.
Es handelt sich um einen DDR Hobel der Marke GOLF, Modell 71, des Herstellers - VEB MLW Medizintechnik Leipzig - Stammbetrieb.
Zur Verdeutlichung der Gemeinsamkeiten ist jeweils links ein spätes GEM-Modell mit abgebildet:
www.bilder-hochladen.net/files/vwt-32-jpg.html .
Hier sieht man deutlich den Öffnungsmechanismus des Golf 71:
www.bilder-hochladen.net/files/vwt-33-jpg.html . Wenn man den kleinen Hebel hinter dem Kopf nach oben drückt, schwenkt die Kopfplatte nach oben. Ist der Kopf geöffnet, sieht man einen deutlichen Unterschied zum GEM:www.bilder-hochladen.net/files/vwt-34-jpg.html . Nämlich den Steg in der Mitte, zur Aufnahme der Langlochklingen.
Geschlossen wird der Kopf, durch das herunterdrücken des Hebels, wobei dieser dann deutlich einrastet:
www.bilder-hochladen.net/files/vwt-35-jpg.html . Hier ist nochmal deutlich der Steg zu erkennen:
www.bilder-hochladen.net/files/vwt-36-jpg.html . Hier die eingelegte Klinge. Übrigens eine Nelson einer nicht genannten Firma aus Eisleben. Mit Sicherheit dieselbe Firma, die heute noch die Croma/Cerrus-Klingen herstellt:
www.bilder-hochladen.net/files/vwt-37-jpg.html . Interessant die englische Aufschrift, auch auf der (nicht abgebildeten) Packung. Was Westexport bedeuten oder suggerieren kann. Geschlossen dann ein ähnliches Bild wie bei den verschiedenen Single-Edge-Modellen. Auch hier ragt die Klinge vergleichsweise stärker hervor als bei Double-Edge-Hobeln:www.bilder-hochladen.net/files/vwt-38-jpg.html
Von der Seite sieht man dann die letzte technische Gemeinsamkeit. Die Klinge liegt völlig plan (flach) auf und erfährt keinerlei Torsion:
www.bilder-hochladen.net/files/vwt-39-jpg.html .
Der Hobel entspricht in der Verarbeitung und den verwendeten Materialien ziemlich dem, mit abgebildeten, GEM-Modell. Allerdings sind schon auf dem ersten Foto, deutliche Gießgrate am Griffende erkennbar. Die Rasur war aber schlecht. Einer Single-Edge-Rasur nicht unähnlich, was die eingeschränkte Winkelwahl betrifft, aber deutlich ungründlicher. Ich schaffte es nicht, trotz verwendeter Derby, eine befriedigende Rasur herbeizuführen. Nun bin ich natürlich durch Modelle wie Progress oder Futur etwass verschnuckt (verwöhnt). Wieder einmal habe ich aber eine negative Erfahrung mit einem DDR-Modell gemacht, nach dem CROMA, dem LM68 und diversen GOLF-Modellen. Bitte nicht denken ich wäre grundsätzlich gegen DDR-Produkte. Im Gegenteil habe ich an anderer Stelle schon die hervorragenden Florena-Produkte hervorgehoben.
Ich denke der Hobel kann einfach nicht funktionieren. Meine Erklärungsmöglichkeit:
Double-Edge-Klingen sind dünn. Daher wird in fast jedem Hobel eine Torsion zur Versteifung der Klinge herbeigeführt. Bei Single-Edge-Klingen gibt es diese Torsion nicht. Diese sind durch die deutlich höhere Dicke versteift. Wenn ich nun, wie beim GOLF 71 geschehen, daß Single-Edge-System mit einer Double-Edge-Klinge realisiere, ergibt sich zwangsläufig das fehlen der nötigen Versteifung der Klinge. Daher habe ich extra auf die Planlage der Klinge hingewiesen. Ich denke, daß die Schneide, die ja auch noch Single-Edge-Typisch hervorragt, evtl. zu flexibel ist. Vieleicht hat aber jemand aus dem Forum eine andere Erklärung parat.
Welches Kombinat (bzw. Fertigungsstätten) die Dinger damals auch immer hergestellt hat, wurden sie von allen Modellen von Feintechnik Eisfeld in Verarbeitung und Funktion teils haushoch geschlagen. Der LM68 stach etwas heraus, was die verarbeitung und Funktion betraf. Er war ganz aus Aluminium gefertigt. Der einzige wirklich gute und gut verarbeitete Hobel aber, der mir persönlich von Golf - DDR jemals unterkam, war dieser wirklich wunderschöne Torsionshobel. Der war funktional, wertig und einfach nur schön:
Der rechte, von Harzer gezeigte, scheint auch einmal bessere Qualität zu besitzen. Hier sieht man übrigens die DDR - Schachteln mit dem uralten Golf - Modell drauf, der wirklich ein guter Rasierer der Vorkriegszeit war:
@AMU
Die Golf-Modelle mit der blauen und der grünen Schachtel fehlen ebenfalls noch in Deiner Sammlung.

Ciao