Da ich in letzter Zeit viele Mails von interessierten Einsteiger in diese Schärf-Variante, sowie von enttäuschten Ohzuku Besitzern erhalten habe, möchte ich hier meine Erfahrungen mit euch teilen.
1. Grundwissen
2. Grundausstattung
3. Fakten
4. Schärfanleitung
1. Der Ohzuku ist ein Japanischen Naturstein der für unseren Gebrauch wohl das beste Preis/Leistungsverhältnis aufweist.
Der Ohzuku wird von einigen Verkäufern in dem Bereich von 8'000 bis 12'000 eingestuft. Tatsache ist, der Ohzuku ist mit den richtigen Naguras im Bereich von ca. 3'000 bis 40'000 und mehr einzustufen.
Das mögliche Endergebnis wird durch die Härte des Ohzuku bestimmt. In der Regel werden die Ohzuku mit "LV5" angeboten. Je härter desto feinere Ergebnisse sind möglich.
Die Preise werden nach Grösse, Gewicht und Erscheinungsbild berechnet. Für uns Hobbyschärfer ist wohl die "razorsize" (ca. 14x8cm) zu empfehlen. Dabei ist es nicht wichtig ob der Stein absolut gerade Ränder und eine plane Unterseite aufweist. Es gilt: Hässliche Steine sind billiger und leisten das gleiche wie hübsche und teure Steine.
Steinkauf ist Vertrauenssache:
Zu erkennen sind die Ohzukus an diesem Stempel

Einen ungemarkten Stein ist optisch nicht zu bestimmen. Farbe und Struktur sind von Stein zu Stein verschieden und bieten kein Erkennungsmerkmal.
Schreibt die Händler persönlich an und fragt nach einem Stein der explizit für Rasiermesser geeignet ist. Die namhaften Händler sind stets bemüht den Kunden optimal zu beraten und werden den empfohlenen Stein vor der Vermittlung testen.
2. Grundausstattung:
Meine Empfehlung
- 1000er Schleifstein (um die Facette zu setzten)
- (3000er beschleunigt das Scharfen und bietet einen guten Einstig für den Ohzuku)
- Ohzuku
- Japanische Natur-Naguras (Botan, Mejiro,( Tenjou, Koma,) Tomo)
- (Zum abrichten empfehle ich eine 8" DMT Diamantplatte mit dem Gritt von 325)
- Lupe
- Übung
3. Fakten
Der Ohzuku ist keiner bestimmten Körnung zuzuordnen. Es gilt je härtet desto Feiner.
Geschärft wird grundsätzlich mit dem erzeugten Slurry von den Naguras, synthetische Naguras (Naniwa, King und co) sind unbrauchbar.

Die Naguras (ausser dem Tomo) bestehen aus Ablagerungen von Vulkanasche die in dünnen Schichten abgebaut werden.
Der Gritt (Körnung) wird durch die Naguras bestimmt.
Botan = Mittel
Mejiro = Fein
Tenjou/Koma = Sehrfein
Mit den Naguras wird auf dem Ohzuku ein Slurry erzeugt, der die Schleifpartikel beinhaltet und diese auf der Oberfläche des Ohzuku ablagert. Der Ohzuku dient in den ersten Schritten nur als Träger für die Schleifpartikel.
Als letzter Schritt wird der Tomo Nagura verwendet. Dieser ist nichts anderes als ein Stück von einem noch Härteren Schleifstein. Mit diesem wir ein Slurry erzeugt, der durch den Abtrag von Ohzuku zustande kommt. Dieser Slurry wird durch das Schärfen gebrochen und somit immer feiner. Ähnlich wie beim GBB. Durch das stetige verdünnen dieses Slurry wird das Ergebnis immer feiner, bei sehr harten Ohzukus bis hin zur Spiegelpolitur.
4. Schärfanleitung
Zuerst wird wie gewohnt mit einem groben Stein eine Facette gesetzt. Für diesen Arbeitsschritt würde ich einen 1000er empfehlen. Je nach Zustand der Klinge...
Durch einen 3000er kann die Facette verfeinert werden und erleichtert den Umstieg auf den Ohzuku.
Nun wird der Ohzuku mit einigen Tropfen Wasser befeuchtet (nicht wässern!).
Mit dem Botan Nagura wird nun ein Slurry erzeugt. Dies geschieht durch gleichmässige Bewegungen mit möglichst wenig Druck auf der ganzen Oberfläche des Ohzuku.
Hierbei gilt zu beachten das der Nagura kein scharfen Kanten oder Risse aufweist aus denen gröbere Ausbrüche in den Slurry gelangen können.
Weniger ist mehr. Es reicht einen leicht milchigen Slurry anzureiben. Lieber einige Male den Slurry erneuern als eine dicke Pampe die nichts abträgt und verklebt.
An der Haftung des Nagura ist zu erkennen ob der Ohzuku noch plan ist. Wenn sich der Nagura am Stein festklebt ist die Oberfläche beider Steine optimal. Es ist sogar möglich den Ohzuku am Nagura hochzuheben!
Nun kann mit dem Schärfen begonnen werden. Wie ihr die Klinge bewegt ist irrelevant, wichtig ist nur das ihr den Arbeitsschritt mit jedem Nagura widerholt bis ihr auf der ganzen Länge der Klinge einen Slurry-undercut erkennen könnt. (Siehe Schärfanleitung Gebler Belgischer Brocken, Dilucote)
Kontrolle mit der Lupe:
Ich verwende eine 60x Lupe mit Leuchtquelle. Eine 10x Lupe dürfte auch ausreichen sein. Zu beachten ist, dass der Einfallwinkel des Lichtes das Bild der Facette stark beeinflussen kann.
Es dürfen keine Ausbrüche oder verhältnissmässig tiefe Krazter mehr zu erkennen sein. Fehler können in den folgenden Arbeitsschritten nicht kaschiert werden.
Danach gründlich die Klinge, den Ohzuku und die Hände Waschen.
So wird jeder Nagura durchgearbeitet bis ein einheitliches Schleifbild (Wolken) zu erkennen sind.
Der Tenjou oder Koma sind "nice to have" aber nicht unbedingt erforderlich. Mit diesen kann der Letzte Arbeitsschritt verkürzt werden.
Nun wird mit dem Tomo-Nagura ein Slurry angerieben. Dies kann sehr Aufwändig sein, je nach Härte des Ohzuku kann dies mehrere Minuten in Anspruch nehmen. Bei meinem Ohzuku (LV5+ ist es beinahe unmöglich)
Nun schärft ihr das Messer bis zum Slurry-undercut, danach den Slurry mit einem Tropfen Wasser verdünnen und das ganze wieder von Vorne, bis ihr auf dem blanken Stein und reinem Wasser arbeitet. Wen die Facette optimal vorbereitet und akkurat gearbeitet wurde, sollte sich die Klinge richtig am Stein festkleben. Wichtig ist auch hier das ihr absolut ohne Druck arbeitet.
Jetzt kommt noch das Ledern. Die Japaner empfehlen einige Züge auf Leinen oder Chromoxid. Jedoch nicht übertreiben um nicht die ganze Arbeit zu Nichte zu machen.
Beim Leder ist zu beachten das der Druck auf den Rücken der Messer ausgeübt wird und nicht auf die Facette. Somit kann verhinder werden, dass die Facette ballig wird.
Jetzt noch einige Tipps aus meinen Erfahrungen:
Langsames Arbeiten bringt schnelleren Erfolg. Schnelles Arbeiten führt zu Flüchtigkeitsfehlern und verhindert das die Facette optimal auf dem Stein anliegt.
Der Druck sollte von jedem Arbeitsgang zum nächten vermindert werden.
Abkleben ist zwar schonend für den Rücken jedoch verhindert es eine optimale Auflage der Klinge.
Haartest vom Stein ist keine Referenz. Auch mit einer Säge kann man einen Ast abschlagen.
Zu guter Letzt:
Meine Referenzen;
Ich habe nun schon den zweiten Ohzuku, mit diesen Steinen habe ich schon über 150 Messer geschärft und konnte inzwischen ein reproduzierbares Ergebnis erzielen.
Viele Wege führen nach Rom, dieser ist momentan mein direktester.
Gruss Rolf