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moviemaniac
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« am: 06. Mai 2008, 13:40:15 » |
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Nachdem hier im Forum in letzter Zeit immer mehr Fragen zum Kauf von japanischen Rasiermessern auftauchen, dachte ich mir, ich stelle mal einen Infothread in mehreren Teilen mit meinem bisherigen Wissen zusammen.
Teil 1: Mythen und Wahrheiten
Viele Mythen ranken sich um die japanischen Rasiermesser, auch Kamisori, genannt. - Diese Messer sind nur auf einer Seite geschliffen: Dies ist falsch, diese Messer sind - auch, wenn sich die Forum grundlegend vom europäischen Aufbau unterscheidet - beidseitig geschliffen. - Die Messer werden nur auf einer Seite verwendet, mit der Aufschrift-Seite zum Gesicht: Dies ist prinzipiell richtig, einer Verwendung von beiden Seiten spricht aber nichts dagegen und funktioniert sehr gut - Die Messer müssen nicht abgezogen werden: Eine weitere Halbwahrheit, die nicht stimmt. Die japanischen Rasiermesser werden ebenfalls vor der Rasur auf einem Lederriemen abgezogen. Zum Abziehen kann auch die Weichholzbox verwendet werden, in der die meisten Messer geliefert werden. - Die Messer mit blauen Griffen sind industriell gefertigt: Ebenso falsch. Es GIBT keine industriell gefertigten, traditionellen japanischen Rasiermesser. Diese Messer werden alle von handwerklich hochbegabten (Schwert-)Schmieden(-meistern) in aufwändiger Handarbeit gefertigt. - Die Messer mit blauen Griffen sind von Tosuke gefertigt: Ebenfalls eine Unwahrheit. Wahr ist, Meister Tosuke hat angefangen, seinen Messern diese hässlichen, aber praktischen Griffe zu verpassen und hat die Griffe mit seinem Namen darauf in Massen herstellen lassen. Diese Gummigriffe weren und wurden aber auch von anderen Schwertschmieden verwendet - Aufschluss auf den Hersteller kann NUR die Gravur auf der Klinge selbst geben! - Rasiermesser sind aus Tamahagane: Falsch. Es gibt meines Wissens nach nur einen Hersteller von Klingen aus Tamahagane-Stahl und das ist Iwasaki, ein bedeutender Meister seiner Zunft - er hat das Verfahren entwickelt. In der Qualität stehen die Schwedenstahlmesser denen aus Tamahagane aber un nichts nach - eher sogar im Gegenteil. - Japanische Rasiermesser bestehen aus zwei verschiedenen Stählen: Dies ist richtig, die Klinge selbst ist aus sehr hartem (62-64HRC) Stahl, Griff und Messerrücken sind aus weicherem Stahl. Oft sind am Übergang zwischen den Stahlsorten Risse zu sehen, dies bedeutet aber keine Qualitätsminderung sondern weist auf die handwerkliche Fertigung dieser Messer hin.
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moviemaniac
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« Antworten #1 am: 06. Mai 2008, 13:51:46 » |
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Teil 2: Das Schärfen
Traditionell werden für japanische Rasiermesser japanische Natursteine empfohlen. Da diese aber sehr teuer und kaum zu bekommen sind, brauchen wir Alternativen. Noch eine Anmerkung: Japanische Rasiermesser brauchen eine ruhige Hand und Vorwissen. Wer noch nie ein Rasiermesser geschärft hat, sollte sich nicht gleich an den Japanern versuchen. Lieber das Messer zu Harry, einem anderen Schärfmeister oder auch zu mir schicken.
Anhaltspunkte: - Japanische Schleifsteine mögen "langsame", nicht zu aggressive Steine - Synthetische Steine der Kategorie 10.000 und 12.000 funktionieren, sind aber kein Muss - optimal sind japanische Natur-Feinabziehsteine (~10.000-12.000) - durch seine Langsamigkeit ist hier gerade der Manufaktum- oder ein Vorkriegsthüringer ein exzellenter Polierstein für den Feinabzug - Ein Beispiel für eine gut funktionierende Steinaufstellung: 1000er Japaner (synth.) - 4000er Japaner (synth.) - Blauer Belgischer Brocken - Gelber Belgischer Brocken (diesen vorsichtig verwenden und mit geringem Druck) - Feinabzug auf einem Thüringer - Sehr gut bekommen diesen Messern Pastenleder. NICHT zu empfehlen sind Diamantpasten, diese sind zu aggressiv. Chromoxid, eventuell gefolgt von Eisenoxid, stellt das Optimum dar.
Wie werden diese Messer geschärft? Traditionell liest man immer wieder davon, dass die Messer in einem Verhältnis von 3:2 abgezogen werden - Drei Schübe hin- und zurück (jawohl, ziehen und schieben!) auf der geraden, 2 Schübe hin und zurück auf der gehohlten Seite. Dies kann man so eng sehen, muss man aber nicht. Hier wieder ein paar Anhaltspunkte:
- Auf dem 1000er und 4000er sowie auf aggressiven Steinen wie dem GBB nur normale Schübe, keine Züge, sonst bildet sich ein "Burr" genannter Schleifgrat von überstehendem Material aus, der unerwünscht ist. - Auf den feineren und sanfteren Steinen ebenfalls "normal" schieben und manchmal (alle 4-5 Schübe oder so) einen Zug einbauen - generell etwas mehr Druck verwenden als bei europäischen Rasiermessern - Mit dem Chromoxid vorsichtig umgehen, 5-10 Züge sollten ausreichen. Der Haartest kommt bei diesen Messern normalerweise schon nach dem feinsten Stein - Ganz normal ledern
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« Letzte Änderung: 06. Mai 2008, 14:32:31 von moviemaniac »
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moviemaniac
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« Antworten #2 am: 06. Mai 2008, 13:59:17 » |
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Teil 3: Die Rasur und die Lagerung
Haben wir nun ein optimal geschärftes Messer, kann es an die Rasur gehen. gehalten wird das Messer in einer ganz natürlichen Position, wie sie bequem ist. ich platziere meinen Daumen unten und meine restlichen Finger auf der oberen Seite. Nehmt einfach die Position, die euch am besten gefällt. Wie eingangs schon erwähnt kann das Rasiermesser beidseitig verwendet werden. Zu beachten ist, dass der Rasurwinkel durch den unterschiedlichen Schliff der beiden Seiten unterschiedlich ist. An den Koteletten beginnen, erst flach, dann immer steiler werden. So herausfinden, ab wann das Messer greift. Ihr werdet schnell sehen: Durch die geringe Länge der Schneide des Messers (45-60mm) ist die Rasur nach kurzer Eingewöhnung (kürzer als bei europäischen Messern) viel einfacher, besonders bei den Problemzonen, da die Manövrierfähigkeit ausgezeichnet ist.
Zur Lagerung des Rasiermessers empfiehlt sich die (meist) beigelegte Schatulle. Besteht diese nur aus Holz, kann eine Einlage aus Stoff oder Kautschuk, Gummi etc. die Schneide vor Beschädigung schützen.
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harrykoeln
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Beiträge: 2.613
Können diese Augen lügen?
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« Antworten #3 am: 06. Mai 2008, 14:01:40 » |
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Hey movie... Du entwickelst Dich ja richtiggehend zum Messer-, Schleif-, Klingen-, und Handlingguru! Alle Achtung! Und das so rasant und innerhalb so kurzer Zeit. Machst Du auch noch irgendwas anderes? Wie sieht man das denn so in Deinen Schärfkreisen?
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« Letzte Änderung: 06. Mai 2008, 14:31:38 von harrykoeln »
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"The two most common things in the universe are hydrogen and stupidity. There is more stupidity around than hydrogen, and it has a longer shelf life." Frank Zappa (1940-1993)
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moviemaniac
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« Antworten #4 am: 06. Mai 2008, 14:30:39 » |
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Teil 4: Die Quellen
Das ist nun der schwierigste Teil. Japanische Rasiermesser sind zum Großteil nur schwer und mit hohem Aufwand zu bekommen. Darüber hinaus steigen die Preise kontinuierlich - viele der alten Meister (wie Tosuke) sind in den letzten Jahren ohne Nachfolger verstorben und die Nachfrage steigt. Das treibt den Preis in die Höhe. Ein Beispiel: Vor einem Monat kostete mich mein echtes Tosuke 180$ - alles inklusive. Der selbe Verkäufer - ein Privatmann aus den USA, der einen Freund in Japan hat, der dort für ihn die Messer auftreibt, bezahlt jetzt für das gleiche Messer im Einkauf 220$ - aber ohne Steuern, Spesen und Versand. Im Verkauf ist dann mit 240-250$ oder gar mehr zu rechnen. Wer so ein Messer will, der sollte besser jetzt noch zugreifen bevor die Preise ganz explodieren. In einem Jahr ist sicher mit 20-30% höheren Preisen zu rechnen.
Wer also ein "normales" Rasiermesser aus Japan will, hat folgende Optionen: - Kauf in den amerikanischen Foren: Die einfache und beste Lösung. Bei theshaveden.com und straightrazorplace.com tauchen immer wieder mal solche Messer auf - Direktimport aus Japan: Die umständlichste Variante. Die mir bekannten japanischen Shops verkaufen nur innerhalb von Japan und sind zum großteil auch nur auf Japanisch. Da braucht man einen Mittelmann. Oder fährt selber hinüber. - ebay: Für neue Messer NICHT zu empfehlen! Dort verkaufen die amerikanischen Importeure gerne die Ausschussware, die sie den Forenmitgliedern nicht zumuten wollen zu überhöhten Preisen. Also nochmals: VORSICHT!
Eine Option bleibt noch: Der Kauf eines Premium-Messers vom weltweit anerkannten Schwertschmiedemseiter Iwasaki (bzw. gefertigt von seinem Schüler mit 30-jähriger Erfahrung, Mizuochi-san, der der nächste Meister der Schmiede werden wird). Diese Messer sind deutlich teurer als die anderen, aber einfacher zu bekommen und in der Qualität und Rasurleistung das Nonplusultra. Quellen für Schwedenstahl-Iwasakis (für Messer aus Tamahagane und Ball-Steel kenne ich keine Quellen): - rasurpur.de: Die beste Wahl, da die Messer rasurfertig ankommen - warenhaus-schulz.de: Auf Grund des Preises die zweitbeste Wahl - dick.biz
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« Letzte Änderung: 06. Mai 2008, 14:35:29 von moviemaniac »
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moviemaniac
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« Antworten #5 am: 06. Mai 2008, 14:42:18 » |
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Hey movie... Du entwickelst Dich ja richtiggehend zum Messer-, Schleif-, Klingen-, und Handlingguru! Alle Achtung! Und das so rasant und innerhalb so kurzer Zeit. Machst Du auch noch irgendwas anderes? Wie sieht man das denn so in Deinen Schärfkreisen?
Danke dir, Harry  Ich tu, was ich kann, habe die Infos von stundenlangem Lesen, Übersetzen und eigenem Ausprobieren mal zusammengefasst. Wie meinst du das mit meinen Schärfkreisen? In meiner Gegend bin ich ziemlich alleine damit... Ich versuche, derzeit das vorzuarbeiten, was ich in den nächsten Monaten durch meine Abschlussarbeit auf der Uni nicht machen kann 
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Senser
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« Antworten #6 am: 06. Mai 2008, 16:00:32 » |
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@Movie Du machs mich feddich. Mannoooo  Gut recherchiert, danke Gruß Senser
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matjes
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« Antworten #7 am: 06. Mai 2008, 18:24:22 » |
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Meine Güte, Klaus, hast Du auch noch andere Hobbies???  Finde ich klasse gemacht, das weckt mehr Lust an diesen Dingern. Zu schade, daß ich chronisch knapp bei Kasse bin, sonst hätte ich gern sowas Feines... Gruß Matjes
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moviemaniac
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« Antworten #8 am: 06. Mai 2008, 22:45:32 » |
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Gern geschehen, meine Herren  @Matjes: Derzeit hab' ich keine anderen Hobbies, nein 
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moviemaniac
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« Antworten #9 am: 07. Mai 2008, 10:47:26 » |
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« Letzte Änderung: 07. Mai 2008, 10:51:03 von moviemaniac »
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Senser
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« Antworten #10 am: 07. Mai 2008, 17:12:36 » |
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Wenn du sonst keine Hobbys hast, kannst du diese Seite ja jetzt auch noch ins Deutsche übersetzten  Gruß Senser
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Prince Denmark
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« Antworten #11 am: 16. Juni 2008, 18:32:22 » |
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Guckt mal, Männer:   Das liegt hier bei mir auf dem Schreibtisch und wartet auf eine Kaufentscheidung, sei sie positiv oder negativ. Klaus hat für mich herausgefunden, dass es sich vermutlich um Robuso-Klingen handelt, die in Japan (von Tanifuji) irgendwie weiterverarbeitet wurden. Das Heft ist relativ schwer und aus einem mir unbekannten Material. Klingenbreite ist 6/8. Es funkelt schön. Preislich...ach lassen wir das. Wat soll ich bloß tun...? 
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Bengall Reynolds
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« Antworten #12 am: 16. Juni 2008, 18:41:25 » |
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Nicht lange nachdenken, natürlich..... 
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On a long enough timeline, the survival rate for everyone drops to zero.
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matjes
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« Antworten #13 am: 16. Juni 2008, 20:00:57 » |
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PD, das Messer sieht richtig edel aus. Schlag zu, auch wenn Prinzessin Denmark weint. Das vergeht wieder, der Ärger über eine entgangene Chance nicht.  Gruß Matjes
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Guilty
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« Antworten #14 am: 16. Juni 2008, 20:04:22 » |
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Man lebt nur einmal Björn 
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