Nach längerem Überlegen -eigentlich brauche ich derzeit nicht wirklich einen- habe ich mir nun auch endlich einen Reisepinsel gekauft.
Die Wahl fiel wegen der synthetischen Borsten und auch mangels Alternativen vor Ort auf den Reisepinsel von L`Occitane nebst Seife.
Preis: 21 Euro.
Er ist aus verchromtem Kunststoff, sieht recht nett aus und liegt auch ganz brauchbar in der Hand. Schulnote: 2.
Länge geschlossen 8 cm, offen 13,5 cm, Borstenlänge 4,5 cm. Knotenmaß 2 cm, Hülsendurchmesser 3 cm, Verschlußkappe 3,2 cm. Also für olkin`s Etui geeignet.
Die Verarbeitung ist ok, bei mehrmaligem Schäumen bisher keinen Haarverlust bemerkt.
Leider ist weder der Pinsel noch die Verschlußkappe zu verschrauben, sondern beide sind nur gesteckt und haben jeweils Noppen, die einen festen Sitz garantieren sollen. Diese machen keinen besonders haltbaren Eindruck. In der Tat war der offen im Laden stehende Pinsel an der Verschlußkappe ausgeleiert, so daß diese nicht richtig hielt und abfiel. Die beiden originalverpackten gekauften Pinsel waren in Ordnung. Sicherheitshalber würde ich empfehlen, vor dem Kauf den Pinsel vom Personal öffnen zu lassen und auf festen Sitz der Teile zu prüfen.
Notfalls kann man ihn wohl mit einem Stückchen Tesaband zwecks besserer Klemmung frisieren, aber von einem 20 Euro-Produkt hätte ich mir etwas mehr erwartet.
Schulnote: 4 (wegen der Klemmung, sonst: 3).
Ich hatte mich mal über den Tip auf der L`Occitane-Webseite
lustig gemacht, den Pinsel vor Gebrauch zu befeuchten.
Klar, daß der Pinsel befeuchtet gehört. Mittlerweile verstehe ich aber, was eigentlich damit gemeint ist: Die synthetischen Borsten dieses Pinsels nehmen kein Wasser auf - es ist also überflüssig, ihn zu wässern. Kurz unter den Wasserhahn halten reicht vollkommen aus. Da ich ihn dann trotzdem kurz ausschwenke, muß man nochmals Wasser beim Schäumen hinzufügen.
Den Verarbeitungs-Fauxpas macht der Pinsel durch sein Aufschäumverhalten wett. Weder RC (Palmolive Classica Naturale, IC Rhabarber) noch RS (geraspelter Wilkinson Stick, L`Occitane) machen ihm Probleme. Mit allem ist fix ein fester, dichter, sahniger Schaum zu erzielen. Schulnote: 1.
Im Gesicht ist er unangenehmer als eine kurze
Omega-Sauborste No. 99, aber merklich angenehmer als eine Balea-Borste aus dem Supermarkt. Für mich als Reisepinsel akzeptabel, jeden Tag wäre ich nicht damit zufrieden. Schulnote: 3-.
Was für mich mit den Ausschlag gegeben hat, ihn zu kaufen, war die Tatsache der synthetischen Borsten, von der ich mir ein schnelles Trocknungsverhalten erhoffte.
Diese Hoffnung hat der Pinsel voll erfüllt. Nach dem Spülen zwei, drei Mal kräftig ausgeschüttelt, gibt er beim anschließenden Pinseln über die Hand bereits keine Feuchtigkeit mehr ab und fühlt sich trocken an. Ich denke mal, daß Restfeuchtigkeit nach spätestens 30 Minuten unter normalen Umständen verdunstet sein dürfte. Schimmel oder Fäulnis dürfte aufgrund der synthetischen Borsten auch eingepackt kein Problem darstellen. Der Hülsendeckel hat einige Lüftungslöcher. Schulnote angesichts des Verwendungszwecks: 1.
Fazit: Ich bereue den Kauf nicht, auch wenn der Pinsel meines Erachtens für 21 Euro nicht gerade billig ist. Der Materialwert -alles Kunststoff- dürfte vernachlässigbar sein. Für Verarbeitungsfanatiker ist er nicht empfehlenswert; für mich ist er in Ordnung, vorausgesetzt, daß die Haltbarkeit der Steckverbindungen nicht zu wünschen übrig läßt.
Für Wassersportler: Der Pinsel ist mit aufgesteckter Endkappe halbwegs schwimmfähig. Läuft die Hülse jedoch voll, geht er unter.
Für Camping-, Rucksack- und vergleichbare Reisen, bei denen der Pinsel auch mal zwischen feuchten Klamotten oder ähnlichem eingepackt wird, ist er aufgrund des ausgezeichneten Trocknungsverhaltens bestimmt eine Empfehlung wert.
Im Luxushotel oder auf dem Traumschiff hingegen wünscht man sich sicherlich einen höherwertigen Pinsel.
Hannes