Neben dem heutigen Bruch gab es früher einen Bruch mit höherer Qualität. Leider ist er erschöpft. Daher kommen die alten guten Steine.....
Auch ich möchte hierzu um eine Quelle bitten.
Ansonsten, wenn Du erlaubst, möchte ich entschieden widersprechen.
Ich hatte letztes Jahr das Vergnügen, mit der coticule.be Crew den letzten verbleibenden Coticule Steinbruch zu besuchen. Der Inhaber, Maurice Cellis, beschäftigt sich seit über 20 Jahren mit der Geschichte und der Geologie der Belgischen Schärfsteine. Daneben waren noch einige Herrschaften mit auf dem Trip, welche sich aufgrund ihrer langjährigen Beschäftigung mit der Materie mit Fug und Recht als Spezialisten bezeichnen dürfen. Bei dieser Gelegenheit wurden so einige "Gerüchte" um Coticules thematisiert und mit den bekannten Fakten abgeglichen:
"Gute und schlechte Steinbrüche"
Es gab in der frühen Zeit zig Steinbrüche, welche sich dem Abbau der Coticules verschrieben hatten. Die Coticule Schicht zieht sich über viele Quadratkilometer durch die Ardennen - oftmals direkt unter der Oberfläche, seltener tief im Boden. So gab es genug Stellen, an welchen man relativ einfach an das gelbe Gold herankam. Unter diesen Steinbrüchen gab es kleinere und grössere, bekannte und weniger bekannte. Die Annahme, dass der jeweilige Bekanntheitsgrad direkt mit der Qualität der Steine zusammenhängt, ist nicht zu halten. Vielmehr dürfte dies wohl mit denselben Mechanismen zusammenhängen, die auch heute noch betriebsentscheidend sind: Marketing!
Die Existenz von "Spezialsteinbrüchen" mit besonderer Qualität ist gemäss des Wissens der besagten Herren nicht dokumentiert. Das ist auch geologisch kaum zu rechtfertigen, da die Schichten auch innerhalb eines Steinbruchs immer sehr stark variieren.
"Die alten Steinbrüche waren besser"
Coticules wurden vor rund 470 Millionen Jahren abgelagert und über die Jahrmillionen verdichtet und zu dem gemacht, was sie heute sind. Der Unterschied von hundert Jahren im Abbauzeitpunkt dürfte wohl kaum ins Gewicht fallen.
Auch die Behauptung, dass die besten Plätze schon weg sind ist kaum haltbar. Im Gegensatz zur Thüringer Gegend sind die Coticule Schichten über ein viel grösseres Gebiet gezogen. Und an vielen Stellen sind die Schichten direkt unter der Oberfläche und somit einfach zugänglich. Wenn man aber die Grösse des Gebiets mit der Anzahl der Steinbrüche vergleicht, so stellt man fest, dass diese wohl wirklich nur "an der Oberfläche" der Gesamtvorräte gekratzt haben. Welchen guten Grund soll man anführen, um nachzuweisen, dass die alten Steinbrüche wirklich die "besten Spots" (so es die denn überhaupt gibt) abgebaut haben?? Wohl eher war man da pragmatischer: Man hat das Vorkommen angezapft, welches um die Ecke von Dorf lag.
"Extra- und Normalqualität"
Auch heute noch werden die Coticules nach "Qualitäten" sortiert und verkauft. Maurice hat diese Tradition wie seine Vorgänger weiter gepflegt. Die Extra (oder "Select") Qualitäten sind entsprechend teurer. Nur, diese Klassifikationen hatten und haben NICHTS mit der Schärfleistung der Steine zu tun! Es geht hier lediglich um die Optik. Aufgrund der Geologie der Coticules sind Einschlüsse eigentlich der Normalfall. Reine und optisch homogene Steine sind selten. Selten - Nachfrage - Markt - Marketing .... ihr wisst was ich meine. Und nochmal, das ist nicht einfach eine Behauptung, sondern wird vom heutigen Produzenten (und auch von den damaligen, wenn man noch welche kennt) bestätigt.
"Gute und schlechte Coticules"
Jetzt wird's heikel ...
Vielleicht sollte erst mal ein Kriterium definiert werden, welches als Messlatte für die Qualität eines Schärfsteins dient. In diesem Fall möchte ich das wie folgt definieren: "Die Fähigkeit, eine Schneidekante zu erzielen, welche sich für die Rasur eignet."
Coticules sind Natursteine. Als solche unterliegen sie Schwankungen, welche mitunter recht ausgeprägt sind. Diese Schwankungen machen sich beim Schärfen mit Coticules in verschiedenen Aspekten bemerkbar. Die Geschwindigkeit des Abtrags, sowohl mit als auch ohne Schlamm. Die gefühlte Härte. Die Neigung, Schlamm freizusetzen. Die Rückmeldung beim Schärfen (Sahnig, kratzig, glatt, klebrig, körnig ...). Diese Unterschiede beeinflussen auch den Weg recht stark, wie man jeweils zum gewünschten Ergebnis (def. sieh oben) kommt. Tatsächlich variieren Coticules so stark wie kaum ein anderer Naturstein, wenn es darum geht
wie man sie optimal nutzt. Es gibt ausserordentlich langsame Exemplare, mit welchen es sehr lange dauert, eine neue Fase zu setzen. ABER: Diese Geschwindigkeitsunterschiede dürfen nicht mit unterschiedlicher "Körnung" gleichgesetzt werden - das sind zwei verschiedene Dinge. Beispiel: Naniwa Chosera 10k und Naniwa SS 10k. Beides 10k, einer brutal schnell, der andere eher gemächlich. Dann gibt es welche, die den Schlamm schon beim Anschauen freisetzen, was wiederum die Abschlusspolitur etwas schwierig macht. Hier möchte ich kurz festhalten, dass es bis anhin nur um das WIE ging und nicht um das WAS, also die obige "Messlatte" an sich.
Ich selbst habe im Moment etwa 10 Coticules. Sind alle verschieden. Der eine liegt mir besser, der andere bereitet mir mehr Mühe. So wird es auch anderen gehen. Mit dem einen Stein kommen Sie besser zurecht und mit anderen wird's schwieriger. An diesem Punkt kommen das Können, die Erfahrung, die Neigungen des Schärfers ins Spiel. Ich würde sogar soweit gehen, zu behaupten, dass einige Coticules per se schwieriger zu handhaben sind (das WIE). Aber PRAKTISCH ALLE Coticules (auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel) sind bezüglich ihrer Fähigkeit vergleichbar, eine Scheide zu erzeugen, welche sich für die Rasur eignet (das WAS)! Mein persönlichen bescheidenen Erfahrungen bestätigen hier nur die Erkenntnisse von Leuten, die sich schon wesentlich länger und eingehender mit Coticules beschäftigen.
Sind diese Unterschiede in der Handhabung nun ein Qualitätsurteil? Ich denke, das sollte jeder für sich entscheiden. Wichtig bei einem Disput um "besser und schlechter" ist jedoch, dass man sich klar darüber ist, dass alle dasselbe Kriterium dafür zu Grunde legen. Oft ist dies leider nicht so und man redet (postet) aneinander vorbei.
Eigentlich wollte ich hier noch ein abschliessendes Wort zum Thema "Schärfen und Wettkampf" schreiben. Ich muss mich aber noch anderweitig nützlich machen und so möchte ich kurzerhand auf einen
alten Post verweisen, welchen ich mal verfasst habe. Die Grundaussage ist mir in diesem Kontext einfach wichtig.
Gruss
BlueDun