Zuerst möchte ich Klaus ganz herzlich in unserem Forum begrüßen.Ich habe schon vorher oft mit Klaus über seine Diamantpasten und Sprays gefachsimpelt und habe diese ja auch schon öfter empfohlen.
Hier möchte ich nochmal konzentriert meinen Senf abgeben und einige kleine Basteltipps für diejenigen die es noch nicht mitbekommen haben, hinterlassen.
Die Diamantpasten von Klaus gibt es in zwei (für uns relevante) unterschiedlichen Formen:
Als echte Paste, oder als Spray.
Die Körnungen die dabei für uns von größtem Interesse sind, sind 28.000 (ca 1µm), 60.000 (ca 0.5µ) und für die Verrückten die 100.000.
Der Grund liegt darin, dass diese Körnungen für das Finish eines Rasiermessers geeignet sind.
Wer sich auch mit anderen Messern beschäftigt, wie z.B. Kochmesser, der sollte sich unbedingt auch bei den etwas gröberen Körnungen,
wie z.B. etwas um die 3µm, umsehen.
Aber ich will nichts vorwegnehmen. Fangen wir vorne an: Was macht man mit den Diamantpasten?Die Diamantpasten und Sprays enthalten feine Diamantpartikel, welche eine hauchfeine, abtragende Wirkung haben.
Dabei hinterlassen die drei o.g. Körnungen aber keine Kratzer mehr, sondern eine mikroskopfeine Spiegelpolitur.
Die Diamantpartikel haben eine extrem hohe Lebensdauer und müssen nicht in festgelegten Abständen erneuert werden.
Meine Faustregel lautet: Wenn der Riemen schon richtig schön schwarz vom Abtrag ist, sollte man ihn erneuern.
Ich habe mir bei den Amerikanern eine Abziehvariante abgeschaut, die super einfach herzustellen und echt kostengünstig ist.
Man nehme:

- 1x handliches Vierkant aus billigem Holz, in 3-4 handliche Stücke geschnitten ergeben 3-4 Riemen. Kosten ca 4€/~1€ pro Riemen
- 1x handelsübliches Filz, oder Bastelfilz aus dem Baumarkt oder Bastelladen. Kosten ca. 1€ pro Blatt (= mehrere Riemen)
- 1x doppelseitiges Klebeband
- 1x diamantpaste oder spray der Wahl
Die Zutaten kaufe ich, abgesehen vom Diamantspray

, allesamt im örtlichen Baumarkt. Das lange vierkant lasse ich vor Ort in kleinere Stücke sägen.
Zu Hause schmirgele ich die Seiten und die Kanten des Holzes mit 400er Sandpapier glatt um ein besseres Handgefühl zu erzeugen.
Das ist aber reine Fleißarbeit und kein Muss. Hier eröffnen sich tolle Designmöglichkeiten aus teuren Hölzern oder Beizmethoden, für denjenigen der will.
Auf das fertige Holz klebe ich einen Streifen doppelseitiges Klebeband und lege das Filz darauf. Im Prinzip ist der Streichriemen damit fertig und kann behandelt werden.
Hier müsst ihr nun je nach der Wahl des Trägermediums für die Diamantpartikel unterschiedlich vorgehen:
Habt ihr eine Paste gewählt tragt winzige Tropfen auf das Filz auf und reibt diese mit den Fingern sanft ein. Wer will kann dabei Latexhandschuhe anziehen.
Ich persönlich finde dass bei den Pasten die Dosierung am schwierigsten ist. Zieht ein Kochmesser ordentlich auf dem Filz ab, um die Pastenreste gut zu verteilen.
Habt ihr ein Spray gewählt, schüttelt dieses Exzessiv vor dem Gebrauch. Ihr wollt dass alle Partikel gleichmäßig verteilt sind.
Schätzt den Sprühwinkel ein und drückt ab. Ein bis maximal zwei Spritzer pro Stelle sollten ausreichen.
Für den oben gezeigten, größeren, weißen Riemen habe ich insgesamt vielleicht 4 oder 5 Spritzer gebraucht.
Zur Erinnerung: Die Diamantpasten und Sprays sind wirklich effektiv. Ihr könnt es euch leisten sparsam damit zu sein!
Wartet bis der Alkohol verflogen ist und zieht ein Kochmesser oä auf dem Riemen ab um ihn einzuarbeiten.
Euer behandelter Pastenriemen ist jetzt fertig.
Zur Wahl der richtigen Körnung
Eine Auswahl an 3 verschiedenen Diamantriemen, v.l.n.r: 3µm auf Leder, 1µm auf weißem Filz, 0.5µm auf grauem Filz
Nach meiner Erfahrung eignen sich für das Finish eines Rasiermessers die Körnungen ~1µm und ~0.5µm ganz hervorragend.
Die (konkret) #28.000 ist ein echtes Arbeitstier. Ich habe meine extra auf ein weißes Filz aufgetragen, um den Abtrag deutlich sehen zu können.
Der Riemen ist seit einigen Monaten in Gebraucht.

man sieht schon ordentlichen Abrieb
Die
1µm Diamantpaste wird im Verhoeven als hervorragende Abziehpaste/Körnung bezeichnet (
Verhoeven, John: Experiments on Knife Sharpening, Ames 2004),
da sie effektiv genug ist um kleine Fehler zu korrigieren. Unter dem Mikroskop erkennt man tatsächlich eine starke Redunktion von
mikro-ausbrüchen und zähnchen groberer Steine. Im Klartext heißt das: war die Technik beim Schärfen auf den Steinen nur "gut",
kann man mit dieser Paste kleine Fehler kaschieren. Meine Theorie ist, dass das Filz beim Kontakt mit dem Messer stark nachgiebt.
Die Partikel haften auf keinem festen Untergrund, sondern auf flexiblen Fasern.
Dadurch wird ein sehr feiner Bogenradius auf der Schneide erzeugt (Apfelsamenförmige Schneide).
Etwaiger Grat oder Zähnchen werden dabei weitgehend entfernt und die resultierende Schneide ist unter dem Mikroskop glatt.
Die Politur ist (bei entsprechender Vorpolitur) makellos!
Die Rasur von einer 1µm Diamantpaste ist tadellos.
Man sollte es allerdings nicht übertreiben mit der Anzahl an Zügen auf dieser Paste,
da sie wie erwähnt extrem effektiv ist.
Die
0,5µm Diapaste (hier #60.000) erbringt ein kaum sichtbar besseres Ergebnis.
Hier gelange ich definitiv an die Grenzen meines Mikroskops. Auch diese Paste ist noch sehr effektiv,
ähnlich schnell wie ein hochkonzentriertes Chromiumoxid. Wenige Züge müssen ausreichen, sonst ist die Schneide murks gewesen.
Der Haartest wird bombastisch und die Rasur "as good as it gets".
Der richtige UntergrundEs ist natürlich keine Pflicht die Diamantpasten auf Filz aufzutragen. Sie eignen sich auch für Leder.
Allerdings habe ich den subjektiven Eindruck, dass für das Finish Filz besser geeignet ist.
Hier habe ich (für meine Kochmesser) eine
3µm Diamantpaste auf Leder aufgetragen.
Funktioniert blendend und der Abrieb ist nach wenigen Monaten deutlich erkennbar

Eine Leinenrückseite eines Hängeriemens eignet sich genausogut.
Im Allgemeinen erzeugen diese Diamantpasten mit der Filzmethode eine extrem sanfte Rasur.
Die Pasten sind schnell, effektiv und einfach zu applizieren.
Viel einfacher und schneller, als Acrylfarben mit Chromoxid und ewiger Trocknungszeit